Vom 23.September bis 6.Oktober 2017 verbrachte ich meinen Urlaub auf der dicht besiedelten, ständig kurz vor dem Verkehrsinfarkt stehenden Insel Malta, die mich mit einer zweiten Woche ohne Sonne, vielen Gewittern und damit einhergehenden längeren Starkregenphasen beglückte. Mit widrigen Wetterumständen ist leicht umzugehen. Die Regenjacke war eingepackt, obwohl der Wetterbericht vor Reisebeginn noch zwei Wochen Trockenheit versprochen hatte.
Ärgerlich ist aber, dass diese Insel bekanntermaßen, nicht nur von netten Menschen bewohnt wird, sondern auch von Idioten, die der Überzeugung sind, Vogeljagd wäre ein Hobby und vor allem wissen, dass es sich um ein lukratives Geschäft handelt. Sie sind der Grund dafür, dass ich diesmal nur ein Begleitbild meines Reiseberichts von einem Vertreter dieses Menschenschlags liefere, anstatt Aufnahmen von unseren gefiederten Freuden zu präsentieren.
Das Raptor Camp meldete sich auf Anfrage recht spät, so dass ich nur an einem Tag mit den zu dieser Zeit insgesamt acht VogelschützerInnen unterwegs sein konnte, die bis zum 6. Oktober im Einsatz waren. Sehr freundliche Menschen, muss ich sagen, die sich mit großem Einsatz für dieses wertvolle Projekt einsetzen. Allerdings geht es ihnen vor allem um die illegalen Abschüsse besonderer Arten und es sollte verständlich sein, dass eine lückenlose Überwachung bei Tausenden von Jägern nicht möglich ist.
Auf Malta und Gozo wurde überall aus vollen Rohren geschossen. Der Lärm der abgefeuerten Waffen war der ständiger Begleiter meiner Touren. Mir reicht es nicht, zu hoffen, dass es sich bei diesem Lärm zumeist um die Begleitmusik der eigenmächtigen „Malteser Bestimmungen zur Herbstjagd" auf dieser Insel handelt.
Ich war während meiner Urlaubsreise mehrere Male auf der zu Malta gehörenden Insel Gozo unterwegs und dort waren auf dem kleinen Hochplateau in Ta Cenc mehrere Jäger gleichzeitig mit Hunden präsent, die direkt am Weg ihrem blutigen Treiben nachgingen. Obwohl nicht weit entfernt, war nicht auszumachen, auf was sie schossen und ob sie etwas trafen. Nur einmal erfolgte ein Schuss, als ein Schwarm Kleinvögel über einen der Jäger zog. Ich konnte während meiner Anwesenheit nicht beobachten, dass die dort ziehenden Greifvögel (Rohrweihe, Sumpfohreule) Opfer wurden, wobei ich mit meiner Kamera und Interesse für Vögel aller Art natürlich auch aufgefallen bin. Es lässt sich nicht klären, was passiert, wenn sie unbeobachtet sind und ob dann auch „verbotene Arten“ ins Visier geraten. Wobei es mir auch egal ist, weil ich jeden dieser Vogeljäger feindlich gegenüberstehe und ihnen keine Legitimität ihres Handelns zugestehe.
Wenigstens wurde ich persönlich zu keiner Zeit verbal angegangen, wie es einige Teilnehmende vom Raptor Camp ihren Erzählungen nach erleiden mussten, als Frauen sogar von primitiven Freunden der Jagd mit Vergewaltigung gedroht wurde.
Ein Vorfall ist doch noch zu erwähnen, als ein Mann mit einem ca. 14 jährige Jungen im Tarnkleid
in einem Auto am Wegesrand hielt, beide hinter einem Hügel verschwanden und nach wenigen Minuten mit einer Plastiktüte mit Inhalt erschienen, um direkt wieder mit ihrem Auto zu verschwinden. Ich hatte mich entschieden, die Sache nicht direkt mit den beiden zu klären, was ein Fehler war. Weil ich im Anschluss leider nicht die vermutete Falle entdeckte, der ich mich hätte annehmen können. Leider habe ich keine Erfahrung, so dass ich solche Situationen nicht einzuschätzen konnte. So beobachtete ich auch einen Mann, wie er Seile aufspannte und Flaschen an ihnen befestigte. Als er sich beobachtet fühlte, war er sehr schnell verschwunden, zuordnen kann ich seine Konstruktion aber bis heute nicht.
Die AktivistInnen vom Raptor Camp favorisieren, was aus ihrem Blickwinkel und von ihrer Praxis her auch verständlich ist, ohnehin nicht die direkte Konfrontation mit Jägern und ihrem Material. Mir gelang es aber auch einige TouristInnen über die Vogeljagd auf Malta zu informieren, die sich der Sache auch gleich angenommen haben.
Die Wut kommt automatisch, wenn auf Wanderungen am Wegesrand ständig kleine bestuhlte Hütten auftauchen, vor denen zahlreiche künstliche Ansitze für Vögel (in Form von flachen, durchbohrten Felsbrocken auf Stangen) aufgebaut wurden. Die Wut kommt automatisch, wenn in einem ornithologischen Buch (A photographic guide to the birds of Malta) beschrieben wird, wie VogelschützerInnen auch körperlich angegangen und Autos und Einrichtungen von Vogelschützern angezündet wurden. Wie die Infrastruktur der wenigen Farmer, die sich gegen Vogeljagd stellen, zerstört wird. Wie ausgerechnet in Vogelschutzgebiete eingebrochen wurde, um Seltenheiten leichter abzuschießen zu können.
Oder einfach auch dadurch, dass in einer anderen Publikation behauptet wird, dass der / die Besitzer eines bestimmten Gebietes gegen die Jagd eingestellt sein sollen und Beschuss und Fallenstellung verboten wären, aber dann vor Ort persönlich erfahren werden muss, dass dort dann doch munter darauf los geballert wird und die Vögel bestimmt nicht von Vogelbegeisterten zu einem Foto-Rendevouz auf Sitzwarten eingeladen werden. (bzw., dass das Gebiet dann sehr klein ausfallen muss und gerade einmal einen schwer zu begehenden Felsen einschließt und die Jägermeute zum Ausgleich, drumherum, besonders intensiv und weitflächig ihrem blutigen Handwerk nachgeht, damit keiner ihrer Beute entkommen kann)
Und die Wut kommt und hält an, wenn der hoffnungsvollen Aussage von einem Mitglied des Raptor Camps, dass sich die Situation in den letzte Jahren kontinuierlich verbessert hätte, der neue Newsletter von Birdlife Malta (deren Neumitglied ich jetzt bin) entgegenzuhalten ist, der besagt, dass die diesjährige Jagdsaison bisher besonders schlecht ausgefallen wäre. Dieses Jahr gab es bereits fünfmal mehr illegal abgeschossenen Vögel als letztes Jahr. Unter den Opfern sind Wespenbussard und zwei Flamingos. Wobei noch einmal betont, ich persönlich nicht zwischen einen Wespenbussard und einer Wachtel (die gejagt werde darf) unterscheide.
Malta ist eine Reise wert, für diejenigen, mit besseren Kentnissen der Lage vor Ort, um adäquat gegen Vogelmord agieren zu können. Sonst böte sich noch die Teilnahme am Raptor Camp als Alternative oder der vollständige Boykott dieses Reiseziels.
Zuletzt bearbeitet: 11.10.17 12:34 von Hobbyfotograf
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