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Thema: Agrar macht rar


Eine nette Doku zum Thema Agrar und Artenvielfalt.
Leider Realität und für den einen oder anderen vielleicht erschreckend, wie rasant es mit vielen Arten der Felder und Fluren abwärts geht.
Auch für Zwergschnepfenfreunde interessant!
Leider geht die Profitorientierte Industrialisierung der EU-Landwirtschaft dank grosszügiger deutscher Blockaden und Lobbypolitik ungehemmt weiter. Das Alibi-Greening ist nicht mehr wie eine Farce.

http://www.youtube.com/watch?v=iG6pu6XpP7Y

Teil 2-4 sind im You-tube Bildschirm versteckt.



Moin Moin!

Sicher weiß jeder hier im Forum von der Situation für die Agrarsteppenbewohner. Wie aktuell und bedrohlich die Geschichte allerdings ist, wird sich wohl erst noch zeigen.
Hier am Niederrhein schlagen die Jäger jetzt Alarm. Der Bestand von Fasanen, Rebhühnern und Feldhasen hat in diesem Jahr enorm gelitten. Selten liest man davon in der Zeitung. Aber vbmomentan steht es sogar als Hauptschlagzeile auf dem Titelblatt (z.B. der "Rheinischen Post"
Ändern wird sich aber wohl trotzdem nichts...

Beste Grüße
Holger



Ja, es ist katastrophal! Und ich sehe keinen Ausweg, solange unser Hunger, i.e. der der wachsenden Weltbevölkerung immer größer wird. Hinzu kommt die ökonomische Attraktivität landwirtschaftlicher Intensivierung.

Viele Grüße, Micha

Birds rock!
ForanerInnen: 48
D: 338 (Sturmschwalbe); LL: 2401 (Brownies Cacholote, Fawn-breasted Tanager)
Jahresliste 2018: 363 (Waldbaumläufer)


Man darf sich nicht wundern, wenn man beispielsweise diese Dokumentation des ZDF ansieht.
VG



Montechristo:
Man darf sich nicht wundern, wenn man beispielsweise diese Dokumentation des ZDF ansieht.
VG


Ja, diese Doku kenne ich auch. Da verliert man unter anderem das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Zulassungsbehörden. Wie kann Alzheimer in einigen Ländern als Berufskrankheit von Landwirten, Winzern etc. anerkannt sein, in anderen aber nicht? Wenn das schon bei imminenter Bedrohung des Menschen so ist, kann man sich ausmalen, wie es erst bei Angelegenheiten wie dem Vogelschutz mit der Objektivität bestellt sein dürfte!

Nur um alles noch zu komplizieren: mit "Bio", also landwirtschaftlicher Produktion u.a. ohne den Einsatz von chemischen Pflanzenschtzmitteln, werden wir die Welt und Vogelwelt ebenfalls nicht retten können. Angenommen, wir lösen alle sozioökonomischen Probleme, überwinden alle internationalen politischen Hürden und stellen unsere Ernährung um, dann könnten wir die Welt mit deutlich geringerer landwirtschaftlicher Produktionsfläche ernähren - jedenfalls für einige Jahrzehnte. Dies wird jedoch nicht passieren, weil zu viele Menschen nicht auf ihren Wohlstand und Fleisch-, Eier-, Käse- etc. Produktion verzichten wollen. Aber selbst wenn, würden wir das Bevölkerungswachstum immer noch irgendwann stoppen müssen, um die letzten Naturreservate zu erhalten. Würden wir zudem heute weltweit auf Bio umstellen, hätten wir zwar die Landwirtschft teilweise extensiviert, ABER: wir bräuchten bei auf gleichem Niveau zu haltender, globaler landwirtschaftlicher Produktivität ca. ein Drittel mehr Fläche! Die Folge: weitere Rodungen usw. Wir dürfen auch nicht vergessen: selbst bei "Bio" wird die natürliche Vegetation radikal entfernt und durch die Kultur, also die Feldfrucht, Obstplantage etc. weitestgehend ersetzt. Und auch ein Biolandwirt möchte nicht, dass sein Rosenkohl von Käferchen, Raupen oder Schnecken aufgefressen, von Pilzen devoriert bzw. von "Begleitflora" (um die sich natürlich einstellende Vegetation nicht mit Unkraut zu beschimpfen) überwuchert und somit in seiner Wasser- und Nährstoffversorgung eingeschränkt wird. Der Biolandwirt wird also auch Maßnahmen ergreifen, die einen erheblichen Einfluss auf das Ökosystem haben, einzig mit deutlich weniger Chemie - aber unsere Vogelwelt rettet das leider nicht. Fazit: wenn wir sagen, die Wurzel allen Übels sei die Agrochemie, begehen wir einen Fehler und machen es uns viel zu einfach - leider!

Wenn ihr möchtet, kann ich euch gern mal einen detaillierteren Einblick verschaffen - etwa abends beim Forumstreffen. Wir könnten sogar ein avifaunistisches White Paper erstellen und es den Behörden/der Politik als einen kleien Beitrag zur Objektivität bereitstellen...

Viele nachdenkliche Grüße,

Micha



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Kleine Ergänzung: ich hätte einfach statt der vielen Worte oben Wolfzges Titel zitieren können: "Agrar macht rar" stimmt leider bei jeder Produktionsweise, auch bei Bio.

Meine persönliche Meinung: Bio ergibt meist Sinn, aber nicht immer. Um das darzulegen, braucht's mehr Platz als in diesem Forum angemessen wäre...

Grüße, Micha

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michaschade:

Wenn ihr möchtet, kann ich euch gern mal einen detaillierteren Einblick verschaffen - etwa abends beim Forumstreffen. Wir könnten sogar ein avifaunistisches White Paper erstellen und es den Behörden/der Politik als einen kleien Beitrag zur Objektivität bereitstellen...


bewundernswertes engagement und ich mach dann bestimmt gerne mit, im moment stecke ich aber grade wieder in einer "es ist ja alles total sinnlos"-phase. selbst wenn durch irgendwas 95% der menschlichen erdbevölkerung dahingerafft würden, stünden wir in 50 oder 100 jahren wieder genauso da.

depri, ¥



michaschade:
Wenn ihr möchtet, kann ich euch gern mal einen detaillierteren Einblick verschaffen - etwa abends beim Forumstreffen. Wir könnten sogar ein avifaunistisches White Paper erstellen und es den Behörden/der Politik als einen kleien Beitrag zur Objektivität bereitstellen...

Leider interessiert die Behörden nicht, was eine objektivere Sichtweise sein kann. Ein avifaunistisches Weißbuch könnte als Argumentationshilfe nutzen, aber dann wird einmal das "Zauberwort" in den Raum gestellt und alle anderen Argumente sind wertlos.
Wir können nur hoffen.

VG
Montechristo



michaschade:
Kleine Ergänzung: ich hätte einfach statt der vielen Worte oben Wolfzges Titel zitieren können: "Agrar macht rar" stimmt leider bei jeder Produktionsweise, auch bei Bio.

Oh … das wage ich aber zu bezweifeln, Michael.

Natürlich steht auch auf einem Bio-Acker keine „natürliche Vegetation“ (was das eigentlich ist, steht noch auf einem anderen Blatt!) – aber da wird doch nicht alles weggespritzt; vor allem gibt es darauf immer einen gewissen Anteil Wildkräuter. Und du wirst doch nicht ernsthaft behaupten wollen, dass die Artzusammensetzung einer Wiese in der Bio-Landwirtschaft die gleiche ist wie im konventionellen …

Gar nicht weit von hier kann man ganz anschaulich erleben, was der Unterschied zwischen konventionellem und Bio-Landbau ist: Die Großtrappe hätte in der heutigen konventionellen Landwirtschaft überhaupt keine Überlebensschance. Und zwar ganz einfach deshalb, weil die Jungen verhungern würden – es gibt viel zu wenig Insekten! Biolandbau bedeutet eine viel reichere Insektenfauna – und davon profitieren natürlich nicht nur die Großtrappen.

Herzliche Grüße – Martin M.



Lieber Martin,

ich wünschte, ich könnte es mit einfachen Worten erläutern. Das geht aber nicht.

Klipp und klar: Bio ist für die Natur (und speziell auch für die Vögel) besser als konventionell! Dazwischen liegt noch der integrierte Anbau.

Somit hast du also pauschal Recht - und das sage ich nach 11 Jahren Berufserfahrung im biologischen Pflanzenbau. Außerdem war meine Dissertationsschrift über die biologische Bekämpfung von Schädlingen im Weinbau, meine Habilitationsschrift über biologische Bekämpfung im Gemüsebau. Letztere beschert mit Tantiemen, wenn du sie kaufst, hat 'ne ISBN :)

Warum auch Bio rar macht? Es gibt sehr viele Faktoren - vielleicht tatsächlich ein Thema, das wir besser mal über euer leckeres Biobier diskutieren könnten.



Ansatzpunkte für die Diskussion sind:

1) Je nach Kultur 15-45% höherer Flächenbedarf bei Bio. Folge: solange wir unsere Essgewohnheiten nicht drastisch ändern und für eine bessere Umverteilung sorgen, werden wir mit Bio noch mehr Lebensräume zerstören müssen, um die Menschheit zu ernähren und zu kleiden.

2) Auch bei Bio gibt's Probleme durch tierische Schaderreger (Insekten, Milben, weitere Arthropoden, Schnecken, Nematoden usw.), Pathogene (v.a. pilzliche, aber auch Bakterien, Viren...) und "Unkräuter", d.h. mit den Kulturen um Wasser, Platz, Licht und Nährstoffe konkurrierende Pflanzen und pflanzliche Parasiten (z.B. Orobanche). JA, Bio toleriert all diese Organismen in höherem Maße, man spricht von höheren ökonomischen Schadensschwellen wegen des höheren Erlöses. Aber genau das ist einer der vielen Gründe für mehr Flächenbedarf je erzeugte Einheit Erntegut), bekämpft sie umweltverträgliCHER (im Vergleich zu konventionell + IPM), aber immer noch nicht umweltverträglich (und ich muss nicht einmal Kupfer, Pyrethrum, Spinosyne etc. anführen). Und JA: Bei konventioneller Wirtschaftsweise wäre die Großtrappe bereits aus D komplett verschwunden.

3) Bio ist nicht gleich Bio! Ich kenne auch Vorzeigehöfe, die wirklich prima funktionieren. Ich kenne aber auch die Bio-Agro-Industrie, die leider mittlerweile einen Großteil des Bedarfs an "Bio" beim Discounter deckt (und vor allem zu einem Preis, bei dem viele Verbraucher überhaupt erst Bio akzeptieren). Ja, diese sind immer noch besser als konventionell geführte Betriebe - aber sie machen Vögel rar. Man muss also sehr differenziert analysieren und sollte nicht sagen, Bio ist immer "nicht rar machend" und konventionell ist immer völlig zu verurteilen.

Ich diskutiere oft - und zwar mit Laien wie auch Vertretern der Wissenschaft. Unter beiden Gruppen finden sich Befürworter und Gegner von Bio. Selten "kippt" ein "Konventioneller" nach einem heißen Diskussionsabend und ist nachher "ein Bio". Ich gebe nicht auf, komme aber oft bei solchen Anlässen in die ¥-Depression... letztlich müssen wir VIIIEL weniger Menschen auf unserem Planeten sein, egal ob wir biologisch produzieren oder nicht.

Wie gesagt: GERN können wir da mal viel tiefer einsteigen und auch den Versuch des Beitrags für die Entscheidungsträger wagen - trotz Montes berechtigten Zweifeln am Nutzen einer solchen Investition in Zeit und (virtueller) Tinte.

Herzliche Grüße, lasst uns nicht aufgeben,

Micha

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ychri:


bewundernswertes engagement und ich mach dann bestimmt gerne mit, im moment stecke ich aber grade wieder in einer "es ist ja alles total sinnlos"-phase. selbst wenn durch irgendwas 95% der menschlichen erdbevölkerung dahingerafft würden, stünden wir in 50 oder 100 jahren wieder genauso da.

depri, ¥


Liebe Yvonne,

guck, bis dahin machen wir aber noch ganz viele schöne Sachen zusammen, okay??

Kopf hoch! (Andere zu trösten war schon immer leichter als sich selbst Mut zu machen..)

Verbundene Grüße,
Daniela.




Hallo zusammen,

zum Jahresende zeigt Wolfzge uns hier ein prekäres Problem auf, aus avifaunstischer Sicht aber letztlich auch aus menschlicher.

Neben der Vernichtung der Lebensräume vieler Arten durch eine zu intensive Landwirtschaft und damit oftmals der Arten selbst, geht uns Stück für Stück auch noch eine andere überlebensnotwendige Ressource verloren: Das Grundwasser!

Seit Jahrzehnten wird diese Ressource durch den übermäßigen Eintrag an Nitraten, Phosphaten und div. anderen Chemikalien buchstäblich versaut und somit immer knapper.

Wenn es nur darum ginge alle Menschen satt zu kriegen - aber ist dem denn so? Geht es zumindest bei uns in Deutschland nicht v.a. darum, möglichst viele billige Agrarprodukte massenhaft abzusetzen, um so letzlich wieder Maximalprofite zu generieren?

Insofern finde ich, daß es im Kleinen sinnvoll ist, wenn der Einzelne sich durch verschiedene individuelle Verhaltensmaßnahmen diesem System wenigstens teilweise entzieht (Kauf von echten Bioprodukten, teilw. Eigenproduktion im eigenen Garten, Einschränkung bzw. Verzicht des Verbrauchs an tierischen Produkten etc.). Übrigens auch weil´s oftmals einfach besser schmeckt! :)

Abgesehen davon halte ich Michas Vorschlag einer Vertiefung des Themas schon für sinnvoll. Es gibt auch in Behörden offenbar eine ernstzunehmende Sensibilität für den Artenschutz und man kann, denke ich, mit fachlich untersetzten Vorschlägen bzw. Forderungen auf Resonanz hoffen. Z.B. haben wir hier in S.A. eine immense Verteuerung der A14-Verlängerung wegen des Baus div. Wild- und Fledermausbrücken zu verzeichnen.

Schöne Grüße

Thomas





Salut Thomas,

danke für deinen Beitrag. Ich kann dir nur beipflichten und sehe, dass auf dieser Art von Argumentation sehr schön aufzubauen ist!

Übers Grundwasser könnte ich mich nun stundenlang auslassen. Ein spannnendes Thema!

Die von dir angesprochenen Aktionen "im Kleinen" sind meine Linie... das ist's, wie ich tagtäglich versuche meinen Beitrag zu leisten.

Und ganz besonders stimme ich mit dir über deine Bemerkung zum (F)Ressverhalten des Homo sapiens überein. Genau das ist einer der Punkte, auf die ich zielte, als ich sagte, dass wir unsere Gewohnheiten ändern müssen, wenn wir etwas erreichen wollen!

Viele Grüße, Micha

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Hä... Sorry, keine Ahnung, was ich hier verpeilterweise verklickte... Wollte mich nicht zitieren!

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Zuletzt bearbeitet: 22.12.13 22:37 von michaschade


Die Wurzel des Übels liegt aber woanders.
Es ist nicht die Frage ob Bio oder nicht.
Sondern eher an der Kette der Vermarktung und des (weltweiten) Handels. Und das ist nahezu grotesk.
Die Bauernverbände argumentieren gerne damit, jeden Quadratmeter Boden für Nahrungsmittelproduktion nutzen zu müssen und haben sich mit Händen und Füssen gegen ein stärkeres Greening der EU-Landwirtschaft gestreubt. Ich betone nochmals das ihnen das vor allem durch Unterstützung zweier deutscher Spitzenpolitikerinnen auch weitestgehend gelungen ist.
In Wirklichkeit geht es um den Biosprit bzw regenerative Energien. Dort will man Märkte ausbauen und vergrössern und somit neue Geldquellen erschliessen.

Und nun kommt der springende Punkt.
Es werden nach wie vor weltweit ca. ein Drittel und in den Industrienationen sogar 40% aller produzierten Lebensmittel in den Müll geworfen.
Vom Erzeuger über den Handel bis zum Endverbraucher!!
Eine Fläche eineinhalb mal so gross wie ganz Europa produziert Lebensmittel nur für den Müll!!
Aber der Bauernverband benötigt anscheinend "jeden Quadratmeter Boden" (Originalton Rukwied..Präsident dt. Bauernverband).
Der Blühstreifen am Ackerrand wird bekämpft bis auf`s Blut, momentan darf man sogar Eiweisspflanzen wie zb Raps oder Soja auf den Greeningflächen anbauen und z.Zt steht sogar in der Diskussion, diese Flächen ebenfalls spritzen zu wollen.
Das vorgeschlagene Brüssel-Greening hätte tatsächlich ein Schritt nach vorne in Richtung Artenschutz und Biodiversität bewirkt, Deutschland hat alles dafür getan, das es nicht so kommt.



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