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Thema: "Publikornis" oder so ähnlich ;-)


Neulich am Rande eines NSG's:

Ich stehe mit meinem Fernglas auf einem kleinen Erdhuegel am Rande eines kleinen Sees. Der See liegt direkt neben einem Kartoffelacker. Langsam kommt das brummende Geræusch eines sich nahenden Traktors næher, bis das Fahrzeug neben dem Erdhuegel anhælt und der Traktorfuehrer mich beobachtet, wie ich durchs Fernglas auf den See schaue, um Vøgel zu beobachten.
Als ich mich entschliesse vom Erdhuegle runterzuspringen und den næchsten Beobachtungsort aufzusuchen, steigt der Bauer/Landwirt aus seinem Traktor aus und fængt mich mit gehobenen Schultern ab.

Landwirt: "Suchst du hier was Bestimmtes?"
Ich: "Ich beobachte Vøgel. Dort auf dem See", und zeige in die Richtung in der der kleine See mit den zahlreichen Høckerschwænen und Pfeifenten liegt. "Heute ist hier aber nicht wirklich was los. Nur ein paar dutzend Høckerschwæne usw. Nichts ungewøhnliches."
Mit ernster Miene liest er mein Gesicht. Die Stimmung ist aus unerklærlichen Gruenden etwas angespannt.
Ich: "Nichts desto trotz immer wieder spannend zu beobachten!"
Mit einem knappen Nicken gab der Landwirt zu verstehen, dass er meine Begeisterung nicht teilt.

Um mich weiter zu erklæren fuehre ich schliesslich fort:
"Vor einer Woche habe ich hier einen Raubwuerger gesehen. Er sass dort in der Spitze dieser Pappel da drueben!"
Ich untersuche sein Gesicht nach einem Zeichen, dass mir zeigen kønnte, ob er vielleicht schonmal von einem solchen Vogel gehørt hat. Nichts.
"Eigentlich bin ich ja auf der Suche nach einem Zwergschwan, der sich vielleicht als rastender Durchzuegler hier zeigt. Auf der schwedischen Seite wurden Ansammlungen von mehreren hundert Individuen gemeldet, da kann man ja auch auf einzelne Tiere hoffen, die sich hierher verirren."
Unbeeindruckte Augen schauen mich an.
"Die sind selten!" Fuege ich erklærend hinzu.
Der Landwirt wusste offensichtlich nicht, dass es so einen Vogel gibt.
"Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass sich jetzt im Spætherbst der ein oder ander Zwergsæger hier aufhælt. Kennst du die?"
Landwirt: "Nein."
Ich: "Die sind etwa so gross", ich messe die Groesse des Vogels zwischen meinen auseinander getreckten Hænden und erzæhl noch ein bisschen mehr ueber den Zwergsæger.

Landwirt: "Mir sind Vogelbeobachter bekannt, die keine Skrupel haben die Privatgrundstuecke von anderen zu betreten und nicht mal vor den Vorgærten anderer Leute halt machen. Nur um einen Vogel zu sehen!! Solche Leute wie Viggo Ree (ein bekannter und politisch aktiver norwegischer Wildbiologe. Er treibt viel aktive Naturschutzarbeit und steht oft im Kreuzfeuer der verschiedenen Interessengruppen im Bezug auf Flæchennutzung). Das sind ja fast schon Extremisten! Am liebsten wollen die ueberhaupt niemanden mehr in die Natur gehen lassen und alles unter totalen Schutz stellen."
Ich: "Ah ja."
Kurze Pause.
Ich: "Ich heisse Marius."
Die Spannung løst sich auf.
Ich: "Ich bin relativ aktiv hier in der Gegend. Wenn es dich størt, dass ich hier auf dem Huegel stehe, dann sag es einfach, dann werde ich einen anderen Weg finden."
Landwirt: "Ne, das ist schon ok. Es sind ja nicht alle so."
Ich: "Ich kann deine Besorgnis auch etwas verstehen. Es befinden sich ja auch Werte hier auf deinem Grundstueck (Kartoffelkisten). Nicht dass sich noch jemand daran vergreift!".
Landwirt: "Ja! Auch daran denke ich!".
Ich: "Aber eigentlich gibt es dir ja sogar etwas Sicherheit wenn ich hier bin und beobachte. Wenn ich næmlich sehe wie sich hier jemand bedient, dann kann ich es dir melden nicht war?"
Landwirt: "Ja, das stimmt schon."

Das Gespræch geht dann noch etwas weiter, aber nach kurzer Weile gingen wir dann auseinander. Er lud weitere Kartoffelkisten auf die Traktorgabel und ich lief quer ueber die nahe gelegende Sandgrube, um eine in der Næhe liegendes Waldmoorgebiet zu erreichen, wo der Schwarzspecht mit seinem Lockruf lockte.
Eigentlich hætte ich ihn fragen sollen welche Pflanzenschutzmittel er auf dem Acker versprueht!

Vielleicht keine lustige Geschichte. Jedoch eine Klassische, wie ich glaube. Man kan exemplarisch erkennen, wie die politische Wirksamkeit, die private Bewegungsfreiheit beeinflusst.



Freundliche Gruesse



michaschade:


Mist, ich hatte vergessen, dass ich da einen Account habe, und der Link deshalb bei mir funkt. Wie kamn ich denn so verlinken, dass nicht-Fotocommunity-Eingeloggte das Bild auch sehen können?


Unten rechts steh bei jedem Foto ein "fc--Kurz-Link" :-)
Bei Bedarf kann ich sonst noch einen Screenshot senden.

VG Harry




@Chiffchaff: Du solltes Schriftsteller sein / werden, die Geschichte ist klasse geschildert, man kann sich so richtig in die Situation hineinfühlen...
Ich verstehe einige Bauern, die Fotografen u. Ornis auf Ihrem Grundstück nicht so richtig dulden übrigens gut (meistens). Denn das Verhalten einiger weniger Ornis etc. lässt wirklich zu wünschen übrig.
Selbst wenn das nur in vielleicht 1% der Fälle so ist, reicht das schon, um Landwirte und andere Ornis aufzuregen...
Ihr wisst wie ich das meine.

Das Beispiel hier bringt mich zum Nachdenken, aber auch zum Schmunzeln (ist zwar etwas extrem, aber trotzdem)...
http://www.chclub300.ch/gallery/schweizgallery/index.php?show_img=10647&lan=1

VG Harry



Zuletzt bearbeitet: 22.12.14 19:50 von SDiger67


Der da (mit samt Anmerkungen) ist auch nicht schlecht :-)

http://fc-foto.de/34768174

VG Harry




SDiger67:
Der da (mit samt Anmerkungen) ist auch nicht schlecht :-)

http://fc-foto.de/34768174

VG Harry


Der ist gut 😄 ...aber irgendwie ist es auch schade.


Freundliche Gruesse



Moin Chiffchaff,

auch mir gefällt Deine Schilderung der Begegnung sehr.
Solche Mißtrauischen Augenpaare habe ich hier in Deutschland noch nicht erlebt. Wohl aber in den südlichen Ländern (wohl zurecht, wenn wir auf Wildererjagd sind :-)).
Vor allem Dein Argument mit dem Aufpassen auf seine Sachen gefällt mir. Ein ähnliches Abkommen habe ich mit dem Pächter unserer Fischteiche. Zweimal konnte ich ihn schon mit Informationen über abendliche Angelaktivitäten an seinen Fischzuchten informieren. Im Gegenzug versorgt er mich mit neuesten Beobachtungen (Die Rohrdommeln sind jetzt angekommen..., gestern hat ein Fischadler einen fetten Karpfen aus dem Wasser geholt etc.).
So muß das sein. Dann macht das auch allen Spaß :-)

Beste Grüße
Holger

LL: 364 (Carolinakrickente,Zwergschneegans)
Liste-D: 282 (Berglaubsänger, Zwergammer)
Kreis Viersen: 221 (Waldbaumläufer)
2018: 164 (Waldlaubsänger, Schwarzstorch)


Heute, am Stand vom Birdwatchday. Ein (rüstiger) Rentner kommt zu uns:

"Ich heisse Vogel!
Kennt Ihr den?! Zwei gehen wandern. Einer mit Regenschirm und einer ohne. Welcher wird nass?!
Keiner, weils gar nicht regnet! Hoaaa-ha-ha-ha"

Und weg war er :-D
Ich feier den gerade so :-D

Viele Grüsse,
Harry




Ohmann, cooler Typ! Würd ich auch feiern

Kaum zu glauben, dass der Originalthread hier schon fast ein Jahr alt ist!

MfG Maffong

Meine Galerien
Artenliste 2017: 255 Arten (Nonnensteinschmätzer)
Lifelist: 1334 Arten (Nonnensteinschmätzer)
Foraner: 51


Heute während Maria und ich die Schneegans am Polder Glies suchten kreiste ein Seeadler im Aufwind immer hören. Er würde von 3 Bussarden attackiert und der Größenunterschied war sehr beeindruckend.
Dann kam eine Frau mit Fahrrad und Hund und fragte was wir den da sehen. Wir, der große dort oben ist ein Seeadler. Sie, oohh ein Seeadler, den habe ich noch nie gesehen. Am Wegessrand lagen noch Berge abgeschnittener Äste. Die Frau, warum machen die das, die Bäume machen doch Sauerstoff und so. Mir haben die Arbeiter erzählt das soll eine Landebahn für Vögel werden, stimmt das ? :-D

Wenig später kam eine andere Frau, zu Fuß und mit Hund :) Sie, sind das Reiher da auf dem Feld ? Ich, nein, Kraniche. Sie, sind das Enten auf der Wiese ? Ich, nein, das sind Gänse und eine Schneegans. Sie, achso :-D

Immer wieder sind nette Menschen unterwegs

LG
Richard



Jahresliste 2018 (Deutschland): 148 (Fischadler)
Foraner/innen : 59 (Josefine)


Naja … Kraniche für Reiher und Gänse für Enten zu halten (Gänse sind ja schließlich weiß!), das ist ja noch recht harmlos. Erlebe ich auch immer wieder.
Etwas anders ist es schon, wenn ein Nüsse aus der Winterfütterung holender Kleiber für einen Eisvogel gehalten wird 8-)

Herzliche Grüße – Martin



Etwas anders ist es schon, wenn ein Nüsse aus der Winterfütterung holender Kleiber für einen Eisvogel gehalten wird 8-)

Herzliche Grüße – Martin


Kleiber für Eisvogel? Das ist hier Standard! Ich habe mir abgewöhnt, den Leuten zu widersprechen. Weises Nicken ist nachhaltiger!

LG Marion

––
edit: Zitat „repariert“


Zuletzt bearbeitet: 15.03.16 19:13 von martinmiethke


Kennt ihr diese Leute, die immer total witzig sein wollen?
"Sie wollen Vögel fotografieren? Dann fotografieren sie doch uns!"

Das entlockt mir nicht mal mehr ein müdes Grinsen.

Harry




Begegnung von vorgestern:
Ein kleiner Junge kommt zu uns, fragt uns was wir hier machen. Die Mutter steht einige Meter weiter hinten und man merkt, dass sie den Kleinen geschickt hat ;)

Bald kommt sie dazu und es ergibt sich ein nettes Gespräch und wir erklären ihr u.a. etwas über die Brandgans. Es stellte sich aber bald heraus, dass sie keine Ahnung hat, was ein Blässhuhn ist.

Klar haben wir weitererzählt, aber so fällt es mir einfach schwer, was zu erklären! Wie soll man dann was über die Häufigkeit der Brandgans erklären, wenn der Gesprächspartner noch nicht mal was von einem Blässhuhn gehört hat?

Hat ja eh keinen Sinn?! :D

Viele Grüsse,
Harry



Zuletzt bearbeitet: 15.03.16 16:34 von SDiger67


SDiger67:
Es stellte sich aber bald heraus, dass sie keine Ahnung hat, was ein Blässhuhn ist.

Klar haben wir weitererzählt, aber so fällt es mir einfach schwer, was zu erklären! Wie soll man dann was über die Häufigkeit der Brandgans erklären, wenn der Gesprächspartner noch nicht mal was von einem Blässhuhn gehört hat?

Da lese ich ein wenig Frust, kann das sein? ;)

Die Situation, die Du schilderst, wäre für mich genau der Moment, wo ich einen Gang runterschalte. Bei solcher Unwissenheit liegt oft einfach nur Desinteresse (oder vielleicht auch ehemaliges Desinteresse!?) vor und man kommt erst mal nicht viel weiter. Da braucht man nichts mehr erklären sondern kann einfach nur versuchen, ein evtl. vorhandenes Interesse zu wecken / erweitern.

Am überzeugendsten ist es anscheinend, wenn man die Arten zeigt und dann beim Namen nennt, zB: "Das ist eine männliche Stockente". Das Beispiel scheint albern, ist es aber nicht. Denn die meisten sagen einfach: "Eine Ente!"...

So kann man die Passanten evtl. viel besser von ihrem gegenwärtigen Stand abholen. Zu viele Informationen über unbekannte oder noch nie bewusst wahrgenommene Dinge (zB Vögel) überfordern viele Menschen. Haubentaucher und Blässhühner gehören ebenfalls zur Kategorie: "Gesehen, aber nicht wahrgenommen. Die schwimmen hier einfach so rum." Das wars. Vielen würde nicht einmal der Rückgang von "Allerweltsarten" auffallen. Das ist leider ein Fakt.

Wie ich hier im Forum schon öfter erwähnte, öffnete ich mir im Sommer 2015 selbst die Augen für die Tierwelt in meiner Umgebung; mit Hauptfokus auf Vögel. Dabei stellte ich fest, dass ich selbst als "naturnaher Mensch" allerwelts-Vögel entdeckte, die ich zuvor noch nie bewusst wahrgenommen habe. Mein Interesse ist dadurch größer geworden.

Viele Grüße
Matthias



Witziger Thread, hab ich gerne gelesen.

@Matthias: genauso mach ich das auch.... und hab damit gute Erfahrungen gemacht... Wobei ich schon erst abchecke, ob einer nur blöd kommen will, oder wirklich wissen möchte, was da zu sehen ist...

LG Silke
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Alle meine Funde stammen, wenn nicht anders angegeben, aus der Obersteiermark.

Arten gesamt: 288 (Waldkauz)
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