birdnet-logo

Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: Vögel und Füchse


Vielleicht bin ich im Moment etwas auf Krawall gebürstet, aber ich finde es ziemlich seltsam, dass ein Optikhersteller mit dem Bild eines Fuchses auf der Einstiegsseite vom birdnet wirbt. Sind doch Füchse die wichtigsten Prädatoren für bodenbrütende Vögel, noch weit vor den vielgescholtenen Rabenvögeln.
Sehr große Erfolge erzielt man in UK durch das Einzäunen von Wiesenbrütergebieten mit Elektrozäunen, um die Füchse draussen zu halten. Ähnliches macht man in einigen Gebieten in Deutschland, u.a. ja für die Großtrappen.
Nun kann man trefflich über die Philosophie im Naturschutz streiten. In UK gilt die Devise, das das, was den Vögeln nützt und was technisch und finanziell machbar ist, auch gemacht wird. In Deutschland spielen da viel mehr fundamentale Fragen eine Rolle: Prädatorenbekämpfung vs der Natur ihren Lauf lassen.

Die Fuchspopulation entspricht sicher dem aktuellen "natürlichen Gleichgewicht", dies bedeutet jedoch, dass die Wiesenbrüter seltener sind, als ohne Füchse (der mit Abstand größte Faktor für seltene Bekassinen und Brachvögel ist jedoch natürlich Lebensraumzerstörung).
Und hier kommen Wolf und Luchs ins Spiel. Diese Spitzen-Prädatoren regulieren nämlich die sogenannten "Meso-Prädatoren" wie Fuchs, Iltis und Co.
Also mehr Wölfe gleich mehr Bekassinen.

Aber um auf den Anfang zurückzukommen: Vielleicht sollte der Fernglasbauer aus Wetzlar hier ein anderes Werbebild nutzen...

Grüssle,

Gisela



Gisela_Guillemot:

Nun kann man trefflich über die Philosophie im Naturschutz streiten. In UK gilt die Devise, das das, was den Vögeln nützt und was technisch und finanziell machbar ist, auch gemacht wird. In Deutschland spielen da viel mehr fundamentale Fragen eine Rolle: Prädatorenbekämpfung vs der Natur ihren Lauf lassen.

Die Fuchspopulation entspricht sicher dem aktuellen "natürlichen Gleichgewicht", dies bedeutet jedoch, dass die Wiesenbrüter seltener sind, als ohne Füchse (der mit Abstand größte Faktor für seltene Bekassinen und Brachvögel ist jedoch natürlich Lebensraumzerstörung).
Und hier kommen Wolf und Luchs ins Spiel. Diese Spitzen-Prädatoren regulieren nämlich die sogenannten "Meso-Prädatoren" wie Fuchs, Iltis und Co.
Also mehr Wölfe gleich mehr Bekassinen.


der natur wird in deutschland doch schon seit jahrzehnten nicht mehr der lauf gelassen. letztlich unterliegt jedes handeln hier den interessen von gruppen unterschiedlichen einflusses - und der meiste einfluss sitzt sicherlich nicht bei naturschützerInnen, sondern beim profit und beziehungen (zur politik). wie häufig die wiesenbrüter erstmal ohne den menschen wären! immerhin gehört der fuchs ja noch zur ursprünglichen einheimischen fauna. dass die art es besser schafft, in vom menschen ruinierten lebensräumen klarzukommen, kann man ihr meines erachtens nicht zum vorwurf machen. von mir aus könnten gerne viel mehr schutzfächen wie fort knox eingezäunt werden wie bei den trappen, bei denen ja auch gleich noch die wiesenweihen eingezogen sind, aber wie will man denn festlegen, was "finanziell machbar" ist? angesichts unseres staatshaushaltes ist alles und nichts machbar - je nach perspektive. dem naturschutz wird kaum etwas zugestanden, so meine perspektive, möglich wäre viel mehr, wenn denn daran irgendeine einflussreiche gruppe interesse hätte. ein großes problem für die trappen ist ja außer den prädatoren auch die ernährung - dadurch, dass unsere landwirtschaft massiv gegen insekten vorgeht, gibt es selbst ohne prädatoren wenig geeignete gebiete, wo sie ihre jungen aufziehen können und sie ungestört sind.

mehr wölfe = mehr bekassinen kommt mir übrigens etwas einfach vor, aber vermutlich wolltest du das nur etwas provokant formulieren. die beiden besiedeln ja unterschiedliche lebensräume, und wenn ich den der bekassine weiter ruiniere, weil ich zb die am rande von berlin liegende "moorlinse buch" bebaue, weil ich da schon immer gerne einen wohnklotz hinstellen wollte, egal ob da seltene vögel vorkommen oder nicht, helfen mehr wölfe im wald und auf der heide dagegen auch nicht. (aber ich bin natürlich absolut für mehr wölfe und gegen jeden abschuss dieser art usw.)

ich habe ja ein spektiv. die herstellerfirma sieht sich sicherlich in erster linie als sport-optik-produzent, nicht als orni-ausrüster, wir sind in deren wahrnehmung bestimmt nur eine kundschaftliche randerscheinung, besonders in deutschland. da kann ich manchmal auch nur über deren werbung seufzen, die sich an jägerInnen und andere sportschützInnen richtet... aber der optik-hersteller ist bestimmt froh über die anregung, dass sich auf der birdnet-seite mit einem wolf als bild besser werbung machen lässt ;-) ihnen war die umstrittenheit ihres werbebotschafters sicherlich nicht klar.

lg, ¥


Zuletzt bearbeitet: 15.01.14 23:41 von ychri


Ja, der böse Fuchs auf der birdnet Startseite schielt auch schon ganz gierig nach den Gänsen darunter...



Mehr Wölfe = mehr Bekassinen ist natürlich sehr kurz! ;-)

(Ebenso kurz wie Darwins "mehr Katzen -> weniger Feldmäuse -> mehr Hummeln -> mehr Klee -> mehr Rindfleisch -> bessere Volksgesundheit")

Auf den Zusammenhang zwischen mehr Top-Prädatoren und mehr Vögeln (mit einigen Zwischenschritten) bin ich allerdings in zwei neuen, sehr guten Büchern gestoßen: Pott: Partridges und Newton: Bird Populations.
Dies ist in der Diskussion über Großraubtiere meines Erachtens ein vollkommen neuer Aspekt.

Das Geld in UK zum Vogelschutz kommt übrigens überwiegend aus privaten Spenden - für Naturschutz gibt die neue Tory-Regierung schon lange nichts mehr aus.

Grüssle,

Gisela



es hat sich halt in der vergangenheit gezeigt, dass der mensch nicht wissend genug ist, um vorherzusehen, was passiert, wenn man eine einzelne art wie den fuchs dezimiert oder ausrottet. vielleicht kommen ratten dann ganz groß raus und fressen eier und jungvögel. oder die mauswiesel... (die passen dann auch noch super durch die maschen von bodenbrüterschutzzäunen) oder die räude-erreger gehen verstärkt auf den wolf oder der marderhund und der waschbär besetzen die freiwerdenden reviere oderoderoder...

lg, ¥


Zuletzt bearbeitet: 15.01.14 13:35 von ychri


Volle Zustimmung!

Wenn man sich vertiefter mit Ökologie oder Populationsbiologie beschäftigt, ist es erschreckend zu sehen, wie wenig wir eigentlich wissen und wieviele offene Fragen es noch gibt.
Dies wird sich angesichts des Kahlschlags in der sogenannten organismischen Biologie (also Taxonomie, Ökologie, Ethologie etc.) an den Hochschulen auch so schnell nicht ändern.
Wie will man den wirklich den Einfluß von z.B. gentechnisch veränderten Organismen auf die Umwelt abschätzen, wenn man die Grundlagen nicht versteht?

Umso wichtiger ist daher die Mitarbeit von Amateuren in der Feldbiologie.

Zum Naturschutz in UK:
Der RSPB hat übrigens pro Jahr ein Budget von umgerechnet 115 Millionen Euro zur Verfügung - und damit etwa viermal soviel wie der NABU mit knapp 30 Millionen Euro. Der RSPB besitz in UK 200 Reservate mit einer Fläche von insgesamt 130.000 ha.
Vielleicht muss die gute alte Tante NABU etwas aktiver und professioneller werden? Und vielleicht etwas weniger jammern? Aber das ist ein anderes Thema...

Grüssle,

Gisela




Also so manche Diskussion hier –oder zumindest deren Aufhänger- erschließt sich mir nicht…

Wahrscheinlich ist durch diese Diskussion so viel Strom verbraucht worden, dass anteilig auf die Vogelvernichtung bezogen auf die Gesamtlaufzeit mehr Wiesenbrüter durch „Öko“-Windräder zum Gewinn dieses Stroms gehäckselt wurden, als der Fuchs je fressen würde… Oder so… ;-)

Ich finde Füchse übrigens tolle und interessante Tiere und ich beobachte sie gerne. Sogar durch mein Fernglas/Spektiv ;-) Und dabei ist mir bewusst, aber gleichzeitig auch wurscht, dass Füchse Wiesenbrüter fressen.

Wenn ich es nicht übersehen habe, ist hier im Forum der Beitrag auf den Hauptseiten über die MP3-Vogelstimmen-Lärm-Verschmutzung noch nicht diskutiert worden. Ein interessantes Thema mit direktem Bezug zum Vogelbeobachten; weit mehr als die Werbung einer Glasschmiede mit dem bösen Fux.

Olli




Und es soll sich nur keiner Illusionen hingeben, es wird doch jeder Fuchs der sich einem Jäger zeigt erst gnadenlos abgeknallt und dann verbuddelt weil sich die Verwertung nicht rechnet. Und da es in Brandenburg (und ich befürchte den meisten anderen Bundesländern) nicht mal eine Schonzeit für Füchse gibt, verhungern im schlimmsten Fall die Jungen gleich mit.
Mehr Vögel gibts aber trotzdem nicht und ich hab da so eine Ahnung das das ohl erher mit Zweibeiner zu tun haben könnte.

liebe Grüße

Patricia





Blechroller:
Also so manche Diskussion hier –oder zumindest deren Aufhänger- erschließt sich mir nicht…

Wahrscheinlich ist durch diese Diskussion so viel Strom verbraucht worden, dass anteilig auf die Vogelvernichtung bezogen auf die Gesamtlaufzeit mehr Wiesenbrüter durch „Öko“-Windräder zum Gewinn dieses Stroms gehäckselt wurden, als der Fuchs je fressen würde… Oder so… ;-)

Ich finde Füchse übrigens tolle und interessante Tiere und ich beobachte sie gerne. Sogar durch mein Fernglas/Spektiv ;-) Und dabei ist mir bewusst, aber gleichzeitig auch wurscht, dass Füchse Wiesenbrüter fressen.

Wenn ich es nicht übersehen habe, ist hier im Forum der Beitrag auf den Hauptseiten über die MP3-Vogelstimmen-Lärm-Verschmutzung noch nicht diskutiert worden. Ein interessantes Thema mit direktem Bezug zum Vogelbeobachten; weit mehr als die Werbung einer Glasschmiede mit dem bösen Fux.

Olli


MP3-Vogelstimmen-Lärm-Verschmutzung ist in Deutschland ein genauso großes Problem für Vogelbeobachter wie männliche Birder die hinters Hide pinkeln...
Warum soll da irgendjemand drüber diskutieren????



Gisela_Guillemot:
Die Fuchspopulation entspricht sicher dem aktuellen "natürlichen Gleichgewicht"...

Tut sie seit (bis vor wenigen Jahren jahrzehntelang) gegen Tollwut geimpft wurde meiner Meinung nach übrigens definitiv nicht!



Patricia:

Mehr Vögel gibts aber trotzdem nicht und ich hab da so eine Ahnung das das ohl erher mit Zweibeiner zu tun haben könnte.


Zufällig gefunden und es zumindest nicht als uninteressant empfunden:

Füchse bejagen?

(dass der Betreiber der Seite, auf denen das Dokument liegt, als wohl nicht so ganz "sauber" angesehen wird, ändert an dem Dokument nix; ich finde es auf die Schnelle nicht woanders)

Olli



Blechroller:


.........
Wenn ich es nicht übersehen habe, ist hier im Forum der Beitrag auf den Hauptseiten über die MP3-Vogelstimmen-Lärm-Verschmutzung noch nicht diskutiert worden. .....


Hast Du uebersehen. Wir hatten die Thematik zum letztenmal im Mai 2013 hier diskutiert mit aehnlichen Ergebnissen und anhand von Quellen die jetzt von der Wallstreet aufgegriffen wurden.

http://f3.webmart.de/f.cfm?id=1231426&t=3987124&pg=2&r=threadview

Ulli


Zuletzt bearbeitet: 20.01.14 20:39 von dowitcher
Zurück zur Übersicht


Besuchen Sie auch www.birdingtours.de!
Zusammen Natur genießen und mehr sehen!
birdingtours-Katalog