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Thema: Flughöhe bestimmen


martinmiethke:
Aber um nochmal zum Ausgangsthema zurückzukommen: Ich habe schon sehr viele bezahlte Kartierungen gemacht, obwohl ich kein Biologe bin (also einer mit Dipl., meine ich). 2009 bekam ich erstmals einen Auftrag, in dem auch die Flughöhe der Vögel geschätzt werden musste – das war für mich ebenfalls ganz neu. Hätte ich dann also sagen sollen "nein, das kann ich nicht”?

Martin hat es hier richtig beschrieben. Jeder Gutachter kann den Auftrag annehmen, aber er muß sich eigenständig um die qualifizierte Durchführung kümmern. Diese qualifizierte Durchführung muß "gerichtsfest" sein. Daher würde ich mich mit Ratschlägen für bezahlte Gutachten zurückhalten.
Das Biologen anderen Biologen Tips geben, ist wohl mehr Wunsch als Realität. Ich kenne da einige Fälle, wo Biologen ihre Methoden gerne Behördenvertretern vorstellen, aber anderen Biologen, die noch nicht einmal als Gutachter tätig sind, nie.

VG



Hallo Cabu,

wenn man nur die Entfernung mißt, hat man noch lange nicht die Höhe. Man braucht auch noch den Vertikalwinkel und die Entfernung zum Lot des Punktes. Das bedeutet, wenn Du nur die Entfernung mißt, bewegst Du Dich immer noch im Bereich der Schätzung, es sei denn Du erwischst den Vogel im Zenit, was zumindest als Vergleich, um ein Gefühl dafür zu kriegen, hilfreich sein kann.

Beim kurz mal googeln hab ich den gefunden: "Nikon 350 G Laser Entfernungsmesser", kostet 300 €.

Das was Danebod beschreibt wäre übrigens eine sehr genaue Meßanordnung, mit Glück könnte man damit einen rüttelnden Falken orten oder einen Vogel auf einer Kirchturmspitze, die aber dann millimetergenau! :)

Man könnte auch noch einen draufsetzen und eine moderne Laser-Tachymeterstation ausprobieren, damit kann man die Koordinaten direkt messen - dürfte allerdings immer noch nicht über die beiden o.g. Ziele hinaus kommen. :)

Schöne Grüße

Thomas





Ich kopiere hier mal einen Beitrag aus der NWOrni-Mailingliste herein:

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Hallo zusammen,

eine methodisch interessante Diplomarbeit über Flughöhen von Kornweihen in Perthshire/Schottland ist hier herunterzuladen (PDF von 3 MB).

Ein grundsätzliches Problem bei Raumnutzungs-Erfassungen mit dem Anspruch der Ermittlung von Flughöhen ist bisher die Ungewissheit, wie zuverlässig und genau oder fehlerbehaftet rein visuelle Schätzungen von Flughöhen sind (allein schon Distanzschätzungen sind ja eine großes Problem bei der Freilandarbeit). Grundsätzlich ist von großen indiviuellen Schätzfehlern auszugehen (vgl. Methoden-Diskussion S.12-19 hier ).

Die Autorin hat nun ein halbautomatisches Erfassungssystem getestet. Benötigt werden zwei Beobachter, die jeweils mit auf Stativen montierten Spektiven einen Vogel gleichzeitig verfolgen. Mit ebenfalls montierten elektronischen Kompassen, Winkelmessern und Datenloggern, die die Bewegungen des Spektivs aufzeichnen, kann über Kreuzpeilung und Triangulation der Ort und die Flughöhe relativ genau und reproduzierbar ermittelt werden, zumindest bis in Entfernungen von etwa 500 m und einem Winkel von > 15° zwischen den Beobachtern.

Die Ergebnisse zeigen, dass Kornweihen im Bruthabitat häufiger als erwartet in der Höhenklasse der Rotorebenen von WEA, von 26 m bis 129 m, fliegen. Von daher überrascht nicht, dass in dem schottischen Windpark bei Perthshire schon tödliche Kollisionen von Kornweihen an den WEA dokumentiert sind. Diese Befunde unterstützten die eigene qualitative Einschätzung einer hohen Kollisionsgefährdung der Kornweihe und anderer Weihen an WEA.

Objektive Messverfahren wie diese, die zudem auch relativ preiswert sind (im Vergleich z.B. zur Radarerfassung), könnten Kollisionsprognosen verbessern, wobei die große Unbekannte weiterhin die so genannte Ausweichrate ist, die erst noch artspezifisch empirisch ermittelt werden müsste, was einen extrem hohen Aufwand bedeutet. Die bisher angewendenten indirekten Verfahren (über Totfunde) sind sehr fehleranfällig, weil allein die Ermittlung artspezifischer Totfundraten sehr aufwändig ist.

Mit der Triangulation-Methode kann allerdings der grundsätzlich anzunehmende Fehler einer systematischen Untererfassung höher fliegender Vögel (je höher umso mehr) allenfalls reduziert werden, in dem einzelne Vögel lange Zeit verfolgt werden und damit die Chance steigt, höhere Flüge mitzubekommen.


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Danebod:

Die Autorin hat nun ein halbautomatisches Erfassungssystem getestet. Benötigt werden zwei Beobachter, die jeweils mit auf Stativen montierten Spektiven einen Vogel gleichzeitig verfolgen. Mit ebenfalls montierten elektronischen Kompassen, Winkelmessern und Datenloggern, die die Bewegungen des Spektivs aufzeichnen, kann über Kreuzpeilung und Triangulation der Ort und die Flughöhe relativ genau und reproduzierbar ermittelt werden, zumindest bis in Entfernungen von etwa 500 m und einem Winkel von > 15° zwischen den Beobachtern.



Hallo Danebod,

ich würde hier, wenn schon so ein Aufwand betrieben wird, Theodolithe empfehlen, statt Spektive - dann kriegt man die beiden Winkel schonmal sehr genau. Wozu man in diesem speziellen Zusammenhang einen Kompass braucht ist mir nicht klar. Wichtig wäre, daß die beiden Stationen zueinander genau eingemessen sind.

Schöne Grüße

Thomas





Theodolithen hatte ich ja vorher schon empfohlen. Der hier hineinkopierte Beitrag aus der Mailingliste stammt nicht von mir.

Kompasse braucht sie wohl für die vertikale Richtungsbestimmung der Peilung. Braucht man imho auch, wenn man die Standorte der Theodolithen genau eingemessen oder über GPS bestimmt hat.

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Hallo Danebod,

das mit den Theodolithen hielt ich in dem Zusammenhang zunächst für einen Scherz, weil man damit sozusagen mit Kanonen auf Spatzen (oder eben Weihen) schießt, was die Genauigkeit betrifft.

Wenn man aber tatsächlich mit 2 Theodolithen arbeitet, nennt sich die Methode klassisch "Vorwärts Einschneiden". Da muß man die 2 Stationen zueinander genau einmessen, sonst kommt von vorn herein Murks raus. Dies kann aber örtlich, also ohne Anbindung an GPS etc. gemacht werden, deshalb mein Zweifel am Sinn des Kompaß.

Wenn man tatsächlich GPS nutzen will, sollte man sich darüber im Klaren sein, daß es mit Smartphone- oder Navigenauigkeit nicht getan ist, weil die Genauigkeit dann einfach nicht ausreichend ist.

Schöne Grüße

Thomas





Hier werden Theodolithen für etwas benutzt, das eben nicht klassisch ist.

Für Flughöhenbestimmung sollte GPS-Genauigkeit imho reichen, wenn die Theodolithen einige hundert Meter auseinander stehen. Sie dürfen halt nicht zu eng beieinander stehen. Und ich vermute, dass sie zu diesem Zweck gar nicht genau aufeinander eingemessen sein müssen, es reichen die insgesamt 4 Winkelmessungen und für die beiden vertikalen braucht man einen (Peil-)kompass. Berücksichtigt werden muss noch ein eventueller Höhenunterschied im Standort der Theodolithen, den findet man aber über die Höhenlinien auf einem Messtischblatt heraus, wenn man die Standorte per GPS bestimmt hat.

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Ganz kann ich Dir, ehrlich gesagt, nicht folgen.

Nur noch soviel: Wenn die beiden Vektoren, warum auch immer, zu weit auseinander liegen, d.h. sich nicht wirklich kreuzen, kommt man ganz schnell zu unsinnigen Ergebnissen bei dieser Methode. Oder anders herum, sie macht nur Sinn innerhalb einer hinreichenden Genauigkeit.

Schöne Grüße

Thomas

Edit: Die Entfernung zwischen den 2 Stationen ist m.W. erforderlich zzgl. zu den Winkelmessungen.


Zuletzt bearbeitet: 21.02.14 21:17 von tom


tom:
Wenn die beiden Vektoren, warum auch immer, zu weit auseinander liegen, d.h. sich nicht wirklich kreuzen, kommt man ganz schnell zu unsinnigen Ergebnissen bei dieser Methode.


Das ist richtig, ideal ist ein rechter Winkel für eine Kreuzpeilung.

tom:
Die Entfernung zwischen den 2 Stationen ist m.W. erforderlich zzgl. zu den Winkelmessungen.


Die ist notwendig, weil sie die Chance für eine Peilung nahe 90° vertikal verbessert.

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