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Thema: Rauchschwalbe Brasilien+BFN''Vögel in Deut


Hallo liebes Forum,
aufgrund der Vorbereitung für meinen Brasilien Aufenthalt bin ich momentan viel bei einem Portal unterwegs das ähnlich zu unserem Ornitho ist allerdings wird hier jede Beobachtung entweder mit Sound oder Bild eingetragen.
Sehr selten werden hier auch Rauchschwalben gemeldet (http://en.wikiaves.com/1173694&p=1&t=b). Diese Rauchschwalben haben auf der Brust und am Bauch eine sehr starke Rostbraune Färbung... weiß denn zufällig jemand von euch ob es in Nord Amerika (ich vermute die Ind. kommen zum Überwintern nach Brasilien) irgendeine Unterart gibt die es bei uns nicht gibt?

Außerdem hätte ich eine weitere und ganz andere Frage.
Wir hatten heute seit langem mal wieder eine interessante Vorlesung die sich mit dem jährlich herausgegebenen Bericht ' Vögel in Deutschland' beschäftigte. Unser Prof. belichtete das ganze relativ kritisch, so weit so gut... Allerdings kamen mir die Argumente die er erzählte ein wenig komisch vor.
Nehmen Vögel in den Siedlungen wirklich ab? Früher war die Flächenversiegelung weniger fortgeschritten und seiner Meinung nach sind heute wesentlich mehr Grünflächen und parkähnliche Strukturen vorhanden ( Der Prof bezog sich immer auf die Sätze im oben genannten Bericht), da immer mehr Vogelarten in städtische Berreiche einwandern müsste die Artenvielfalt doch eigentlich zunehmen( Seine argumentation)?
Bei den Gewässern ist zum 100% Zustand von 1970 heute eine wesentlich geringere Verschmutzung vorhanden, die avifaunistische Vielfalt müsste also zunehmen.
In den Alpen dürfte die Vielfalt zunehmen da Nutzungsformen wie die Alm Wirtschaft zunehmend verschwinden und somit der Wald wieder sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet einnimmt, daher wird ein urpsprünglicher Zustand wiederhergestellt. Selbstverständlich nimmt der Wald sein ursprüngliches Verbreitungsbegbiet wieder ein aber Arten wie Haselhuhn usw. haben doch schließlich von der eingeführten Landwirtschaft profitiert.

Das Ganze zielte darauf ab die Zahlen dieses Berichts in Frage zu stellen, Ok schön und gut es sind eher Schätzwerte aber aus meiner Sicht spiegeln sie doch eher die momentan vorherrschende Bestandsentwicklung wieder oder täusche ich mich hier? Wäre es für das BFN nicht sinnvoller von einer Zunahme der Arten zu sprechen anstatt die Abnahme anzupreisen? Es gibt in diesen Berichten zwar fehlerhafte Formulierungen wie z.B. die Arten in Landschaft XY nehmen signifikant ab owbohl dies aus dem Diagramm nicht zu entnehmen ist, aber im großen und ganzen spiegelt dieser Bericht doch ganz gut den aktuellen Bestandstrend wieder oder liege ich hier komplett falsch?
Ach gerade fällt mir noch etwas zu den Meeren und Küsten ein, er argumentierte, dass Dünengebiete und Strände doch zur eigentlichen Brutzeit Juli/August (?) überlaufen wären und die Vögel in diesen Gebieten sonst relativ wenig stress hätten.... Man könnte meinen der Prof tut dies um uns ein wenig zum denken anzuregen allerdings argumentierte er auch weiterhin so nachdem ich ihn darauf hin wies das in D nicht 350... sondern ca 260 Vogelarten brüten und die letzten Daten dieses Berichts nicht von 06 sondern von 2010 stammen es wirkte also so als würde er all das ernst meinen.... Habe ich hier wirklich die Bestandsentwicklung der Brutvögel Deutschlands falsch verstanden???? Ich kanns mir eigentlich nicht so ganz vorstellen.... überall nehmen die Bestände der Brutvögel ab und ein Prof stellt dies in Frage... irgendwie eigenartig. Er wies übrigens sogar darauf hin (Weils im Bericht steht) das immer mehr Häuser 'versiegelt' werden kam dannach allerdings wieder dazu diesen Bericht zu kritisieren. Ich sehe in den Formulierungen des BFN ebenfalls ein paar Fehler diese beruhen allerings eher auf der Tatsache das hier versucht wird den Bericht auch für nicht Ornis verständlich zu machen und nicht darauf, dass der Indikator grundsätzlich falsch ist; selbstverständlich ist ein Indikator Wert von 1970 der auf Schätzwerten beruht nicht sonderlich Aussagekräftig meiner Ansicht nach spiegelt er das akutelle Geschehen jedoch ganz gut wieder. Was sagt ihr zu der ganzen Sache? Der Prof argumentierte völlig unreflekrtiert und stellte auch nicht die Aussage in Frage, dass Kahlschläge gänzlich schlecht seien, nein er argumentierte gegen mich das viele Arten eben unter diesen leiden... es sind doch die seltenen Arten die von Kahlschlägen profitieren, die häufigen kommen auch so gut zurecht.
Ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen und hoffe ein bisschen Zuspruch zu finden da mir diese Vorlesung doch übel aufgestoßen hat, in unserem Semester ist das ornitholgische Wissen wenig verbreitet und ich finde solche unreflektierten Aussagen vor uninformierten ziemlich unförderlich. Mich würden einige Aussagen vorallem zu zweitem Thema sehr freuen da ich so die Möglichkeit hätte dies in der nächsten Vorlesung erneut aufzugreifen.

Gruß und schonmal danke,
Tim

LL 812
D-Liste 294
2018 59

Zuletzt bearbeitet: 06.12.13 01:10 von ShishaJunky


Dein Professor zählt Veränderungen in der Landschaftsstruktur auf, die zweifellos Auswirkungen auf die Avifauna haben. Seine Schlussfolgerung, dass die Artenvielfalt zunehmen müsste, kann doch bestenfalls als Arbeitshypothese dienen, die durch Feldforschung zu be- oder widerlegen wäre.
Es ist nicht legitim und ziemlich arrogant einen Bericht auf Grund von Vermutungen anzuzweifeln, wenn man selbst kein Material zum Thema vorlegen kann.
... und dass der Bericht einige Fehler enthält, ist da auch kein wirksames Argument.

Gruß Bodo



Bodo:
Dein Professor zählt Veränderungen in der Landschaftsstruktur auf, die zweifellos Auswirkungen auf die Avifauna haben. Seine Schlussfolgerung, dass die Artenvielfalt zunehmen müsste, kann doch bestenfalls als Arbeitshypothese dienen, die durch Feldforschung zu be- oder widerlegen wäre.
Es ist nicht legitim und ziemlich arrogant einen Bericht auf Grund von Vermutungen anzuzweifeln, wenn man selbst kein Material zum Thema vorlegen kann.
... und dass der Bericht einige Fehler enthält, ist da auch kein wirksames Argument.

Gruß Bodo


Da war Bodo wieder einmal schneller als ich (ich musste noch Nikolaus für mein Töchterchen spielen). Ich schließe mich gern Bodos Meinung an - möchte aber aufgrund deiner Darlegung - Shisha - sogar hinterfragen, ob der Prof. über ausreichend ornithologisches Fachwissen verfügt, um seine Hypothese aufzustellen oder gar auf empirischen Daten beruhende Berichte anzuzweifeln. Aber bevor ich hier weiter hypothetisch herumquake: Was ist denn des Profs Hintergrund? Ökologe? Biologe?

Vielleicht möchte er ja auch nur provokativ eine Diskussion triggern?

Wie auch immer: Ich beneide dich um so spannende Diskussionen!!! Erinnert mich an meine gute alte Entomologenzeit an der Uni (und die liegt nun schon 13 Jahre und einen Monat zurück).

Viele Grüße, Micha

Birds rock!
ForanerInnen: 48
D: 338 (Sturmschwalbe); LL: 2401 (Brownies Cacholote, Fawn-breasted Tanager)
Jahresliste 2018: 363 (Waldbaumläufer)


Noch zu den Schwalben:

Als ich die Rauchschwalben in den USA genauer angeguckt hatte, sind mir auch einige Unterschiede aufgefallen. Ich habe euch hier im Forum damals sogar gefragt, ob dies eine andere Art sei.

Dann fand ich in meinen USA-Büchern, dass in den Amerikas die ssp. H. r. erythrogaster dominiert. Wenn du sie googelst, findest du vor allem Hinweise zu mehr Rot auf der Unterseite und einem schmaleren, oft unvollständigen Brustband. Das deckt sich mit meinen Beobachtungen. Ich gehe einfach mal davon aus, dass dies die ssp. Brasiliens sein sollte, die ich dann übrigens auch in Argentinien (Buenos Aires) wiederfand.

In den USA habe ich im Sommer dieses Bild aufgenommen:



Grüße, Micha


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Zuletzt bearbeitet: 06.12.13 13:09 von michaschade


group (monotypic)|Hirundo rustica erythrogaster|Barn Swallow (American)|Alaska and Canada to s Mexico; >s Argentina

Das steht in der Clement's Checklist 6.6 zur Amerikanischen Rauchschwalbe. Die Clement's Liste hilft mir immer bei Unterartenfragen sehr gut weiter

MfG Maffong

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group (monotypic)|Hirundo rustica erythrogaster|Barn Swallow (American)|Alaska and Canada to s Mexico; >s Argentina

Das steht in der Clement's Checklist 6.6 zur Amerikanischen Rauchschwalbe. Die Clement's Liste hilft mir immer bei Unterartenfragen sehr gut weiter

MfG Maffong


Cool, da hätte ich auch drauf kommen können! Immerhin habe ich somit kein dummes Zeug gezwitschert.

Danke, Grüße, Micha

Birds rock!
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Jahresliste 2018: 363 (Waldbaumläufer)


Bei den Gewässern ist zum 100% Zustand von 1970 heute eine wesentlich geringere Verschmutzung vorhanden, die avifaunistische Vielfalt müsste also zunehmen


Zumindest das kann man kaum verallgemeinert darlegen.
Hier z. B. ist der Artenrückgang in und damit auch an der Isar sehr stark zurück gegangen, seit die darin eingeleiteten Abwässer vollständig über Kläranlagen laufen. Keine Ahnung, wie der Artenreichtum dort vor 100 oder 300 Jahren war, aber aktuell ist er in den letzten 15 Jahren seit dem Bau der Kläranlagen unglaublich eingebrochen. Die Äsche (wäre hier auch Regionfisch) ist z. B. fast nicht mehr nachweisbar; vor 15 oder 20 Jahren war das hier der Hauptfisch. Es gibt natürlich noch andere Ursachen für den Artenschwund (die womöglich durch die Kläranlagen erst potentiert wurden), aber das mit den Kläranlagen hat sich sehr schnell, sehr stark ausgewirkt.
Ich will da jetzt nicht über Für- und Wider von Kläranalgen diskutieren, aber die These, dass sauberere Flüsse Artenreichtum fördern, kann man zumindest mal nicht verallgemeinern.

Auch das mit den Almen halt ich eher für eine unsaubere These. Zum einen werden die Almflächen zumindest in D mittels nicht geringer Förderungen weiterhin als solche erhalten und der Freizeitdruck auf die Alpen hat in den letzten 20 Jahren enorm zugenommen. Und "Wald" bedeutet nicht sofort auch Artenreichtum.

Olli



Hallo Tim,

deine Rauchschwalbenunterart wurde ja schon genannt, zur Ergänzung noch die Angaben aus dem HBW:

H. r. erythrogasterBoddaert, 1783 - breeds North America from S Alaska and W & S Canada (S from S Yukon, CW Mackenzie, N Saskatchewan, N Manitoba, N Ontario, SC Quebec and S Newfoundland) S through most of USA (except extreme SW, also S Florida) to Mexico (NW Baja California, and interior S to Colima, Michoacán and Puebla); also South America in E Argentina (N Buenos Aires). Winters from Pacific slope of C Mexico and W Panama, and E West Indies (Puerto Rico, Lesser Antilles), S through most of South America.do-rustica


erythrogaster has throat more extensively rufous, blue band reduced to patch on each side of breast, underparts rufous-chestnut to orange.


Was die Thesen deines Profs angeht stimme ich Mit Olli überein, man könnte zu allen Aspekten genau auch andersrum argumentieren
- In den Siedlungen gibt es wohl sehr unterschiedliche Entwicklungen mit unterschliedlichen, wohl teils gegensätzlichen Auswirkungen. z.b. nahmen ja die Haussperlingspopulationen in vielen Städten (vor allem in BG) drastisch ab, und eine eindeutige Ursache ist immer noch nicht bekannt, man vermutet zunhehmend versiegelte Gebäude als Ursache. Andererseits haben sich viele Greifvögel (Wanderfalke, Sperber) in Städten (wieder) angesiedelt, wohl wegen zurückgegangneer Verfolgung.
- Dee Wasserqualität an sich dürfte den allermeisten Vogelarten ziemlich egal sein, wichtiger für sie ist das Futterangebot. Und auch da sind die Auswirkungen nicht immer so eindeutig wie man denkt, bessere Abwasserreinigung heisst weniger Nährstoffe in den Gewässern und damit oft auch weniger (und meist andere) Fische. (die Bodenseefischer fordern aktuell mal wieder eine Anhebung des Phosphatgehalts im See)
- Reiner Wald ist sicher artenärmer als eine strukturreiche Kulturlandschaften wie mit Wald durschetzte Almen (oder z.b Streuobstwiesen).

Grüsse, Florian






Eine schöne Seite.



Vielen Dank für eure Antworten!
Nun bin ich endlich auch mal über die Unterart der Rauchschwalbe informiert. Normalerweise wird dort auch auf die jeweilige Unterart hingewiesen, da das bei der Rauchwalbe nie der Fall war, war ich immer ein wenig irritiert.

@Micha: Ich glaube der Prof. ist Ökologe und über ornithologisches Wissen sollte er ja eigentlich verfügen wenn er eine solche Vorlesung hält.
Das er eine Disskusion anregen möchte hatte ich zu Beginn auch gedacht, obwohl keiner mit ihm über seine Thesen disskutiert hat, hat er diese weiter aufgestellt. Der Indikator ist zwar nicht der beste aber aus meiner Sicht spiegelt er den Rückgang der Artenvielfalt doch ganz gut wieder und macht diesen auch für Leute begreifbar die sich nicht so mit der Thematik beschäftigen. Man kann nun eigentlich davon ausgehen, dass die 30 Leute in der Vorlesung der Meinung sind die Artenvielfalt in den Städten oder sonst wo würde gar nicht abnehmen und wenn diese Leute später mal mit so einer Ansicht in Naturschutzbehörden oder sonstigem Arbeiten dürfte das nicht sonderlich förderlich sein. Ich finde ebenfalls, dass man bei allen Aussagen auch andersrum argumentieren könnte und es ist ja momentan auch eher der konsens, dass unsere Avifauna massive Probleme hat auch wenn die Auslöser hierfür natürlich nicht nur in Deutschland zu suchen sind.

@Monte: Ich finde diese Seite ebenfalls sehe schön, dort man man viel Zeit verbringen ohne das einem lnagweilig wird :)

LL 812
D-Liste 294
2018 59

Zuletzt bearbeitet: 06.12.13 18:40 von ShishaJunky


ShishaJunky:
@Monte: Ich finde diese Seite ebenfalls sehe schön, dort man man viel Zeit verbringen ohne das einem lnagweilig wird :)

Es könnte sogar sein, daß ein oder zwei Bilder von mir auf dieser Seite zu finden sind. ;-)

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