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Thema: Digiscopie: Erfahrungsbericht Swarovski TSL APO


Servus,

die Kombination Swarovski ATS/M (bzw. ATX und natürlich auch die Geradeinblicke) mit dem neuen TLS APO Adapter und einer DSLR oder einer Spiegellosen finde ich nicht uninteressant. Leider finden sich zumindest auf Deutsch in den Weiten des Netzes nicht so sehr viele Erfahrungsberichte dieser noch recht neuen Kombi bzw. sind die zu findenden Informationen unvollständig und teilweise fehlerhaft. Daher hier mal ein paar Zeilen, was mit so aufgefallen ist, was gut ist und was weniger gut ist:

Über das Spektiv, bei mir ATS 80 HD von Swarovski schreib ich jetzt mal nix. Bis auf einen Punkt (der nicht unwesentlich ist) unterscheidet sich die Anwendung des TSL APO am neune ATX nicht. Auf den Punkt komme ich noch. Ob der Adapter auch an andere Spektive passt? Ich meine eher nicht und wenn, wäre es Zufall gibt es sicher Einschränkungen. Eigentlich ist das TSL-Ding ein Rückschritt bei den Digiscopie-Adaptern. Zeiss, Lieca und vor allem Swarovski, aber auch andere haben seit einigen Jahren das „Klappsystem“ etabliert, bei dem die Kamera einfach nur vor das Okular geklappt wird, ohne –das hoffentlich ausreichend fixierte- Spektiv vom eingestellten Vogel weg zu verstellen. Diese Systeme funktionieren in der Praxis zumindest bei den von mir ausprobierten Systemen von Zeiss und Swarovski recht gut. Seit einiger Zeit benutze ich den DCB-Adapter von Swarovski mit der Canon S100 oder der Nikon V1 (Vorsicht, bei der Nikon passt das Standard 10-30 Zoom ohne Bastelei nicht!!!). Warum also der TSL APO? Für mich (also subjektiv!) gibt es ein paar Punkte, die mich an meiner bisherigen Kombi nerven. Für die Canon S100 gibt es keinen Fernauslöser. Man muss sich was zusammenfrickeln und hat dann immer so einen Drahtauslöser oder eine riesige Funkbox an der Einheit rumbaumeln. Geht alles, aber nervt etwas. Der Selbstauslöser ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss, weil eben die Aufnahmesituation nur grob eingeschätzt werden kann. Was weiß man, wo der Vogel in den 2Sekunden bis zur Auslösung den Schädel hin dreht. Auch alles nicht so schlimm, aber der Autofokus ist bei schlechterem Licht und größerer Vergrößerung –vorsichtig formuliert- Mist. Außerdem nerven diese Displays an den Kompaktknipsen. Bei Sonne ist man dem vorherigen Fokusieren mit dem Okular und dem Autofokus vollständig ausgeliefert. Sehen kann man auf dem Display je nach Sonnenstand nix, höchstens ahnen. Und die Qualität der kleinen Chips ist halt auch nicht der beste.
Die Nikon V1 hilft bei einigen dieser Punkte, auch wenn der Fernauslöser auch nicht der beste ist, aber da wird das Gejammer auf einem höheren Niveau geführt ;-) Wesentlicher Punkt, der für die V1 spricht: Das Ding hat ein elektronisches Okular und man muss nicht mehr auf dem Display rumraten. Dafür ist die Kamera schwerer und montiert auf dem DCB eine Wanderung und da gerät plötzlich so einiges am Stativ ins wandern.
Was bietet der TSL dagegen für Möglichkeiten:
Es können DSLR und Spiegellose montiert werden. Das bringt vor allem eine wesentlich bessere Qualität des Chips und damit der Auflösung und der Dynamik. Und diese Dinger haben optische oder elektronische Okulare und das ist auch gut so: DAS TSL APO IST MIT EINER REINEN DISPLAYKNIPSE NICHT NUTZBAR!!!, denn es gibt keine Autofokusfunktion. Es muss ausschließlich über das Spektiv scharf gestellt werden, da das TSL, das wie ein Objektiversatz montiert wird, keine Schärfeeinstellung (und auch keine Blendeneinstellung) hat. Das TSL ist wie ein –umgerechnet auf Kleinbild- 30mm-Objektiv, also ein leichtes Weitwinkel. An einer „Crop-DSLR“ funktioniert das Ding bei allen Vergrößerungen meines Weitwinklezoomokulars am Spektiv ohne Vignettierung, bei einer Vollformat DSLR ist die Weitwinkelwirkung größer und das Ding vignettiert, wenn man nicht (Bsp. für Nikon) auf DX umstellt.
Bei der Nikon V1 wird es noch interessanter. Zwar ist der Chip schlechter, aber dafür ist der Crop-Faktor mit 2,7fach fürs Digiscopieren nicht uninteressant. Dafür muss man bei dem kleinen Chip der Nikon V1 wieder mit der Einschränkung leben, dass man die Empfindlichkeit nicht so hoch drehen kann, wie bei einer guten, neuen DSLR. Leider hat die Nikon V1 noch ein Problem mit dem DSLR und dazu komme ich jetzt. Wie kommt das TSL-Ding an die Kamera: Man braucht einen T2-Adapter, der zur jeweiligen Kamera passt. Das Ding gibt es für so um die 20 € für jede gängige Kamera mit Wechselobjektiv (!). Ohne T2-Adapter bringt man das TSL nicht an die Kamera. Bei der Nikon V1 wird es komplizierter bzw. teurer. Es gibt zwar einen T2-Adapter für die V1, aber das Ding funktioniert nur auf vollständig manueller Einstellung. Das bedeutet dann auch noch, dass man die Verschlusszeit schätzen darf und dann gibt es noch eine Bildverarbeitungsverzögerung (nur bei dem T2-Adapter), die in der Praxis nicht brauchbar ist. Da muss man dann den Geldbeutel aufreißen und 2 Adapter kaufen, von denen einer richtig teuer ist. Man braucht den Nikon FT1-Adapter, der eigentlich dazu dient, „normale“ Nikon-Objektive an die V1 zu bringen und dann braucht man noch einen T2 Adapter „Nikon-normal“. Wer also nicht gerade einen FT1 aus anderen Gründen hat (hatte ich), befindet sich bei der Kombi TSL an Nikon V1 auf einem finanziellen Holzweg. Dann lieber der V1 verkaufen und die Kohle gleich in eine DSLR versenken. Jetzt hat so eine DSLR einen geringeren Crop-Faktor als die V1, was bei der Digiscopie ja eher negativ ist. ABER: Ich hab mal rumgespielt: Größere Ausschnittvergrößerungen verbieten sich wegen der Chip-Qualität. Bei einer besseren DSLR (bei mir Nikon D300) geht da schon mehr mit einer Ausschnittvergrößerung. Ich komme mit der D300 und Ausschnitt bei immer noch besserer Qualität auf die gleiche „Bildgröße“ wie bei der V1 ohne Ausschnitt. Dafür ist die V1 wesentlich leichter.
Warum noch der TSL? Die Flaschenböden, vulgo „Objektiv“ an den Kompaktknipsen sind neben dem nicht sher „lichtstarken“ Chip noch so ein Nachteil der Knipsen. Bei größeren Entfernungen und damit Vergrößerungen sieht man diese „Qualität“. Das TSL ist da optisch auf einem ganz anderen Niveau.

So, jetzt endlich mal zur Praxis:
Beim ATM/S muss erst mal eine „Umfangvergrößerung“ um das Okular geschnallt werden. Wie das geht, sieht man in der Betriebsanleitung bzw. auf einigen Youtube-Videos. Dieses Ding bleibt dann einfach dran. Leider geht dann der alte DCB-Adapter nicht mehr dran, wenn man den doch noch mal nutzen will. Da muss dann das Ding wieder runter. Aber wer schleppt schon 2 Systeme unterwegs mit? Der neue DCB 2 passt dagegen weiterhin. Die Zoom-Verstellung funktioniert weiterhin, allerdings mit einer Einschränkung, die beim neuen ATX entfällt: Man muss zum Zoomen einen kleinen Hebel drücken und das Zoom hat jetzt 7 Rasterungen. Außerdem sieht man die Aufdrucke, welche Vergrößerung man gerade nutzt nicht mehr. Letzteres ist egal. Braucht man das? Wenn ja, einfach mit Lackstift auf das Ding schreiben oder die Raststufe


Zuletzt bearbeitet: 19.01.14 00:45 von Blechroller


und noch als Ergänzung:

Ohne irgendeine Verschiebemöglichkeit des Spektivs auf dem Stativkopf, sei es mit der teuren Swarovski-Schiene oder sonst eine Lösung (Manfrotto) wird das nix: Das Spektiv mit Kamera-TSL-Kombi kippelt gnadenlos nach hinten.

Und man muss bei einem Schrägeinblick das Stativ tiefer stellen, um bei aufgestecketer Kombi das Okular der Kamera noch einblicken zu können. Es bietet sich ein Stativ mit Mittelsäule an, aber diese Mittelsäule macht die Sache auch wackeliger, was gerade beim Digiscopieren nervt.
Wenn man nicht "Rücken" hat, einfach das Stativ ein paar cm tiefer stellen.

Olli



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