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Thema: Jagd auf den Ibis?


Ibis

Interessantes Thema!

Erster Reflex: "Die spinnen, die Bayern!"
Wenn man in Bayern wohnt, ist die Richtigkeit dieses Satzes nicht in Abrede zu stellen;-)

Aber jedes Thema hat (mindestens) 2 Seiten. Die eine Seite wäre das Ausbreiten einer hier neuen Vogelart. Die andere Seite der Eingriff in die bestehende Vogelwelt durch diesen "neuen" Vogel.
Erinnert mich etwas an die unsägliche Kormoran-Diskussion mit der Fischerei; weniger ob der Kormoran "neu" ist, sondern ob man eingreifen darf und soll.

Olli



Ich finde ausnahmsweise mal, dass die Bayern nicht spinnen ;-)
Grundsätzlich sollte man unterscheiden, ob es sich um Gefangenschaftsflüchtlinge ( bzw. nachweislich Nachfahren daraus) oder um eigenständige Einwanderung aus einer Wildpopulation handelt.
Im ersten Fall finde ich es grundsätzlich erst einmal richtig, dass man eine Ansiedlung möglichst verhindert, bevor eine sich selbst reproduzierende Population ensteht. Abschuß ist bei so wenigen Individuen aber auf gar keinen Fall eine akzeptable Option (die sollte man einfangen können und aus ethischen Gründen mal nicht kleinlich auf den höheren Aufwand/Kosten gucken).
Im zweiten Fall ist einfach zu akzeptieren, dass Wildtiere sich nicht an vom Menschen festgelegte geographische oder politische Grenzen halten. Nur wenn die Ansiedlung auf Grund von extremen Eingriffen des Menschen in Umwelt/Natur erfolgte, die eine für die betreffende Region (von den natürlichen Voraussetzungen her) völlig untypische Landschaft hervorgebracht haben, dann muss man näher prüfen (sind z.B. negative Auswirkungen auf benachbarte Gebiete zu erwarten). Da wird es aber kompliziert mit sehr viel Streitpotenzial.

Gruß Bodo


Zuletzt bearbeitet: 29.12.13 11:20 von Bodo


Dann kann man auch direkt alle Halsbandsittiche abschießen, die in den Großstädten heimisch geworden sind.

Die Natur ist ständig im Wandel, wenn sich neue Arten ansiedeln, finde ich das ok. Das wird sich schon von selbst regeln.

Schlimmer finde ich, das immer noch auf Singvögel Jagd gemacht wird, wie z.B. in Ägypten. Da werden mit wahnsinnig langen Stellnetzen die Zugvögel für den Kochtopf gefangen und die hiesigen Populationen werden immer kleiner.

Begrüßen wir also den heiligen Ibis oder ist das auch ein Armutsflüchtling? Dann bekommt er natürlich die ersten Monate kein kostenloses Futter.

Gruß Michael



Auch wenn viele von euch wahrscheinlich nicht mit mir einstimmen werden: Ich persönlich stehe Neozoen sehr kritisch gegenüber. Arten wie Nilgans, Kanadagans und Halsbandsittich haben in Mitteleuropa nichts zu suchen und eine intensivere Jagd auf diese Arten würde mich nicht groß stören, dagegen finde ich die Jagd auf Saat- und Blässgänse pervers und extrem unnötig. Ähnlich sieht es mit dem Heiligen Ibis aus, der mit Sicherheit nicht wild zu uns gekommen ist. Helfen sollte man fieser Art bei der Einbürgerung nicht wie ich finde.
Ich kann zum Beispiel auch nicht verstehen, wieso nichts gegen die Glanzkrähen in Holland unternommen wird. Noch beläuft sich die Zahl der Vögel dort auf ein dutzend, was nichts schlimmes anrichten kann. Aber die Art wurde schon nach andere Länder verschleppt (ich meine es sei der Oman) gewesen, wo sie jetzt mächtig in der heimischen Vogelwelt aufräumt. Wäre es nicht vernünftig da jetzt schon zu handeln, bevor es zu spät ist?!

MfG Maffong

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Maffong:
Arten wie Nilgans, Kanadagans und Halsbandsittich haben in Mitteleuropa nichts zu suchen und eine intensivere Jagd auf diese Arten würde mich nicht groß stören, dagegen finde ich die Jagd auf Saat- und Blässgänse pervers und extrem unnötig.


Wenn man bestimmte Arten bejagt, schadet man immer auch den Arten, auf die (eigentlich) nicht geschossen werden soll. Die anderen Arten sind von Störungen durch Jagd genauso betroffen, als wenn direkt auf sie geschossen würde.

Außerdem halte ich die Legitimation von Jagd ethisch für sehr fragwürdig.

Zu der "intensiveren" Jagd auf Nil- und Kanadagänse, die "dich nicht groß stören würde":
Nil- und Kanadagans halten sich gerne in unmittelbarer Nähe zu anderen Gänsen und diversen Wasservögeln auf. Diese würden dann durch die Jagd immer wieder aufgescheucht werden und sicherlich auch mal getroffen werden - sei es aus Artenunkenntnis oder durch Geballere mit Schrot in einen Schwarm...





Nabend!
Es gibt sicherlich für alles Vorgehen ein Pro und ein Contra, aber ich kann mich in kleinster Weise damit abfinden, dass Vögel abgeknallt werden, nur weil sie aus Menschensicht gerade zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sind.
Ich weiss, dass die Meinungen diesbezüglich hier im Forum weit auseinandergehen, aber ich ich denke immer einen Spruch, von dem ich gar nicht weiss, vom wem er stammt:
"Wir brauchen die Natur, die Natur uns aber nicht."

Nun dürft ihr gern gegen meine Meinung wettern.....

LG
Juliane -





Da ich eigentlich ja Hobby-Botaniker bin, könnte ich ja auch den Herbizideinsatz gegen alle fremdländischen Pflanzen außerhalb der Gärten und Parks fordern.
Das ist illusorisch, wir werden den Wandel nicht aufhalten. Ich freue mich über Halsbandsittiche an meinem Futterplatz genauso wie über Blaumeisen oder gar einem Kleiber.

Gruß Michael



Über so eine Ibis-Sichtung würde ich mich auch freuen. Muss mal wieder nach Ismaning...
Aber das ist nicht das eigentliche Thema.
Die hier brütenden Ibise sind als wohl Gefangenschaftsflüchtlinge. Das gilt aber auch für einige andere Vögel und sonstige Tiere, die teilweise auch mittlerweile als heimisch angesehen werden.
Man könnte ja mal unterstellen, dass die Ibise aus Gallien zugewandert wären. Also Zuwanderer, die aus einer Kolonie stammen, die sich ehemals auf Gefangenschaftsflüchtlingen gründet. Und dann? Würde das was ändern?

Ist Zuwanderung "erlaubt" und wird hingenommen, wenn sie auf "normalen" Wanderbewegungen gründet; sei es wegen Klimawandel, sei es, dass woanders der Raum zu eng wird, sei es, dass es einfach so passiert?

Was ist mit Tieren, die hier mal heimisch waren, hier ausgestorben sind, aber sich wieder zurück bewegen? Wolf, Bär, Kormoran, Biber usw, die alle auch Auswirkungen auf die bestehenden Verhältnisse haben (wie groß die Auswirkungen sind, ist eine Frage der Blickrichtung der jeweiligen Interessengruppe).
Die "Natur" bei uns ist kein festgefügtes Gebilde, sondern ist stetigem Wandel unterworfen. Sei es durch Zuwanderer, "Bio-Wüsten" der modernen Landwirtschaft oder durch Klimaänderung, die wohl auch nicht nur natürlichen Ursprungs ist.

Das Thema ist nicht einfach und nur mit einer Ablehnung der Jagd, dem Streben nach Bewahrung des Ist-Zustands oder einer grundsätzlichen Ablehnung der Tötung von Lebewesen usw.kommt man da auch nicht weiter.
Das Gesetz hat die Sache mit dem Ibis ziemlich eindeutig geregelt, aber Gesetze müssen ja nicht immer richtig sein.

Noch habe ich keine Meinung zu dem Ibis-Thema. Ich finde es aber interessant, verschiedene Ansichten zu lesen.

Olli



Ich finde diesen Artikel ärgerlich, weil etwas dahingebrabbelt und polemisiert wird, ohne selbst mal auch nur einen Hauch von Recherche zu leisten.

"Aber eine kleine Brandseeschwalbenkolonie hätten die Ibisse abgeräumt."

Nicht "hätten", sondern Tatsache: "These two Sacred Ibises visited the colony of Sandwich Terns on Noirmoutier on one July day in 2004 and, in the space of just four hours, devoured the eggs of all 30 pairs and caused the colony to desert for the rest of the season. A similar event occurred in a Black Tern colony on the Brière Marshes, c.40km to the north."

Außerdem tauchte ein Paar in einer Brutkolonie von Rosenseeschwalben auf ... glücklicherweise bevor diese mit der Brut begonnen hatten. Offenbar jagen sie einfach die ganzen Seeschwalben hoch und plündern dann systematisch die Gelege. Möwen gehen da m.W. wesentlich "schonender" vor. Der Vergleich mit den Waldohreulen ist so auch nur polemisch und ansonsten ziemlich daneben.

Heilige Ibisse sind in ihrem afrikanischen Verbreitungsgebiet gerade an den Küsten auf die "Nutzung" von Seevogelkolonien spezialisiert, so dass sie dort z.B. bei Kormoranen teilweise einen größeren Einfluß haben als Möwen. Zusätzlich befürchtet man noch massive Auswirkungen auf die Amphibien-, insbesondere die Molchpopulationen. In Frankreich unternimmt man inzwischen größte Anstrengungen, um die Kolonienen wieder "aufzulösen". Im Wattenmeer können wir auch gerne auf die Biester verzichten.

Was zum Lesen (in Englisch):
-> Sacred Ibis: a new invasive species in Europe
-> A risk analysis of the Sacred Ibis in the Netherlands




Zuletzt bearbeitet: 30.12.13 00:34 von Greenhorn


Ich habe das Gefühl, dass einige Leute das Thema gerne zu einseitig sehen wollen. Jagd ist sicherlich kein schönes Thema und man sollte sie vermeiden wo es geht. Aber sie ist nun einmal de facto nicht immer unnötig und schlecht. Nicht nur, dass Wildschwein- und Rehbestände ohne Jäger in Deutschland wahrscheinlich einfach nur explodieren würden, sondern ganz besonders, dass sich die Jägerschaft um den Hege und den Erhalt der Wälder und Landschaften pflegt. Jäger sind nicht durchweg "schlecht", auch wenn es leider durchaus einige schwarze Schafe unter ihnen gibt.
Allerdings finde ich die Jagd auf Vögel sehr häufig extrem unnötig. Rebhuhnbestände stehen zum Beispiel nicht wirklich vor einer Explosion, was die Jagd auf Gänse und Enten bringt verstehe ich auch immer noch nicht (außer natürlich einen leckeren Braten, was die Jäger auf Spiekeroog, mitten in einem UNESCO-Weltnaturerbe gerne zugaben)
Wenn es allerdings eine "sinnvolle" Jagd gibt, so finde ich, dass sich diese auf Tierarten konzentrieren sollte, die sich nur mithilfe des Menschen ansiedeln oder ausbreiten konnten und in der heimischen Fauna Schaden anrichten können. Und das kann der Ibis auf jeden Fall!
Auch wenn ich es extrem gut finde, dass Leute sich dafür einsetzen, dass nicht gleich jeder Vogel abgeknallt wird, im Großen halte ich es aus Sicht des Naturschutzes für wesentlich sinnvoller heimische Tierarten zu schützen (Beispielsweise den Seeschwalben) als Neozoen freie Gewähr zu lassen. Ich denke nicht, dass die Seeschwalbenbestände sonderlich "erfreut" sein werden, wenn sie gegen eine weitere Gefahr zu kämpfen haben.
Heilige Ibisse gehören nicht nach Deutschland, die hiesige Fauna ist nicht an sie angepasst. Wir können ja abwarten ob sich die Fauna daran anpassen kann, aber ich denke, dass wir da mit sehr herben Verlusten in unserer eh schon angeschlagenen Tierwelt zu rechnen haben...

Und zu dem Satz:"Wir brauchen die Natur, die Natur uns aber nicht."
Wenn man die Natur als großes ganzes betrachtet stimmt das zweifelsfrei. Wenn es aber um einige gefährdete Arten (z.B. Trauerseeschwalben) dann braucht sie uns schon. Und damit meine ich "uns" Naturschützer, denn leider HAT sie auch "uns" Menschen von denen nur eine Minderheit zu den Naturschützern gehört.
Warum sollten wir die Natur (z.B. Trauerseeschwalben) da noch mit Ibissen belasten?

Ich hoffe man versteht was ich sagen möchte. Ich fände es auch doof, wenn die Ibisse abgeschossen werden. Noch viel doofer fände ich es allerdings, wenn andere Tiere unter ihnen leiden müssten.
Wenn jemand eine andere Lösung kennt als den Abschuss so würde ich mich darüber riesig freuen.

MfG Maffong

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Zuletzt bearbeitet: 31.12.13 00:42 von Maffong


Hallo zusammen,

ich nehme an, ihr habt's gesehen: im neuesten "Der Falke" ist ein lesenswerter Artikel zum Thema.

Der Trend: Der Heilige Ibis ist leider als invasiv i.e.S. anzusehen.

Herzliche Grüße,

Micha

Birds rock!
ForanerInnen: 48
D: 338 (Sturmschwalbe); LL: 2401 (Brownies Cacholote, Fawn-breasted Tanager)
Jahresliste 2018: 363 (Waldbaumläufer)


michaschade:
Der Heilige Ibis ist leider als invasiv i.e.S.


Meinst Du im Sinne von Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) § 40? Auch Wikipedia weißt im Beitrag zum Heiligen Ibis darauf hin.

Ich hab grad mal bissel gegoogelt was das i.E. bedeutet, es ist mir leider nicht gelungen etwas Konkretes bzgl. der Avifauna zu finden. Eigentlich müßte es nämlich eine sog. Schwarze Liste geben, in der die einzelnen in Frage kommenden Arten diesbzgl. beurteilt werden.

Am Beispiel der Fische kann man hier schonmal sehen, wie so eine Liste aussehen kann.

Schöne Grüße und gesundes, erfolgreiches 2014 an Alle!

Thomas



Hallo Thomas,

ja, mit i.e.S., also im engeren Sinne, meinte ich "invasiv" wie's vom Gesetzgeber definiert ist, also vor allem nicht nur eingeschleppt, sondern für die Natur bedrohlich. Ich wollte von dem Begriff abgrenzen, wie er i.w.S. Gebraucht wird, nämlich als "eindringend" ohne seine Schädlichkeit zu quantifizieren.

Schwieriges Thema, zu dem es offensichtlich eine Menge an nützlicher Information gibt!

So kann man sich immerhin ein fundiertes Bild verschaffen.

Viele Grüße,

Micha

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D: 338 (Sturmschwalbe); LL: 2401 (Brownies Cacholote, Fawn-breasted Tanager)
Jahresliste 2018: 363 (Waldbaumläufer)


Im Januarheft der Zeitschrift "Der Falke" ist übrigens ein hervorragender Artikel zur Thematik.
Sehr zu empfehlen!



Gisela_Guillemot:
Im Januarheft der Zeitschrift "Der Falke" ist übrigens ein hervorragender Artikel zur Thematik.
Sehr zu empfehlen!


Der wiederum z. B. von dem Betreiber dieser Seite wieder für nicht so dolle angesehen wird:

Ibis

Sich Studien um die Ohren zu hauen, hilft mir z. B. nicht weiter, weil ich nicht beurteilen kann, wie "gut" und wie interessensgesteuert diese ganzen Studien sind.
Aber da der Stein des Anstoßes in Bayern residiert, ist eh klar, was passiert...

Olli

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