Ich war mal wieder eine Woche zur Arbeit in Moldawien und konnte ein knappes Wochenende für eine Tour durch den Süden des Landes dranhängen. Das ist immer super, aber diesmal wars wohl meine bislang erfolgreichste Tour, vor allem auch weil ein lokaler Birder dabei war, und mir zu ein paar langersehnten oder unwartetend Lifern verholfen hat.
Die Runde ging zuerst an die Stauseen Gagausiens (Gagausien, das ist eine autonome Republik innerhalb Moldawiens; die Gaugausen sind eine türksischstämmige Minderheit die vor ein paar hundert Jahren aus Bulgarien vertrieben wurden und heute noch Lenin gut finden und ausser gagausisch vor allem russisch reden, nicht rumänisch wie die Moldawier) und an die Feuchtgebiete des Flusses Prut an der Grenze zu Rumänien.
Zunächst ein paar landschaftliche Eindrücke.
Zuletzt bearbeitet: 23.05.16 22:41 von florian
Das letzte Bild zeigt schon eines der Highlights dieser Tour, die Pelikane. Massen von Rosapelikane gibts eigentlich eher im Spätsommer zu sehen, wenn die Pelikane des Donaudeltas mit dem Brüten fertig sind und umherziehen um die verschiedenen Seen leer zu fischen. Aber diesemal waren es auch so früh im Jahr sicher an die 1000 Pelikane, bin nicht sicher was die in Moldawien machen, brüten tun sie da eigentlich nicht.
Und während ich beim letzten Mal aus jedem jungen Rosapelikan vergeblich versucht habe, einen Krauskopfpelikan zu machen, hat es dieses mal geklappt! 4 Tiere! 2 weit weg im See (daher nur ein verschwommenes Beweisbild) und 2 direkt überfliegend. Riesenviecher!!
Der linke ist ein Krauskopf
Bienenfresser, Blauracken und Wiedehöpfe waren so häufig dass ich mich manchmal dabei ertappt habe, gar nicht mehr richtig hinzuschauen.
Oh bitte mehr davon, was für eine schöne weite und "leere" Landschaft.
Gruß Alexander
Alexander: Oh bitte mehr davon
Gerne :)
Es gibt eine unglaubliche Dichte an Neuntötern, junge Familien einfach überall.
Schwarzstirnwürger auch häufig, wenn nicht ganz so wie die Neuntöter. Drosselrohrsänger fast häufiger als Schilfrohrsänger, vielleicht auch nur auffälliger...
Die Schafstelzen gibts als dombrowski (Bild) oder feldegg. Brachpieper.
Solche Erosionsrinnen sind perfekt für Blauracken, Wiedehöpfe, Bienenfresser und Nonnensteinschmätzer.
Zuletzt bearbeitet: 24.05.16 09:07 von florian
...einmalig!
Wunderschöne Aufnahmen.
Ein Paradies für Vögel.
LG Sigurd
Ein paar Bilder von den Seen. Das sind kleinere Stauseen, meist direkt an den Dörfern gelegen, aber oft mit Spitzenbeobachtungen, besonders zur Zugzeit. Diesesmal war der Zug fast vorbei, dafür das Brutgeschehen in der Hochphase.
Stelzenläufer und Säbelschnäbler am Brüten, ebenso die Brand- und Rostgänse. Moorenten sind dort ebenfalls recht häufig. Weissbartseeschwalben auf allen Seen, auf dem grossen Mantaseen waren es unglaublich viele, mehrere hundert. Die Zwergmöwen waren eine ungewöhnliche Beobachtung, wohl noch Durchzieher.
Zuletzt bearbeitet: 24.05.16 11:57 von florian
Im Süden ist jeder zweite Telefonmasten in den Dörfern mit Storchennestern belegt.
Hier hat sich einer als Friedensbotschafter auf einem Weltkriegsdenkmal eingerichtet
Beim genaueren Hinschauen sieht man dass er interessante Untermieter hat.
Die Haussperlinge bauen ihre Nester irgendwo im Inneren des Storechennestes, die Weidensperlinge basteln ihre aussen dran.
Zuletzt bearbeitet: 24.05.16 11:59 von florian
Mensch Florian,
ich bekomme Pipi in die Augen. Traumhaft!
Weiß man etwas über den Jagddruck in diesen Gebieten?
Es ist unglaublich, was es in solchen naturnahen Gebieten noch an eine Artenvielfalt gibt. Da merkt man wieder einmal, was wir hier in Westdeutschland verloren haben...
Einerseits ist die Diversität in der Kulturlandschaft wirklich atemberaubend, all die Arten die in unseren Agrarwüsten fehlen gibt es dort dank wenig intensiver Landwirtschaft und vieler Brachflächen in grosser Zahl.
Andererseits gibt es kaum funktionierenden Schutz, nicht mal in den eigentlichen Schutzgebieten. Ion, der moldawische Birder mit dem ich unterwegs war, hat erzählt, dass zwei der letztjährigen Seeadlerneste dieses Jahr futsch sind, weil die Horstbäume umgesägt wurden, illegales Holzfällen in den Schutzgebieten.
Gejagd wird sicherlicher auch, wie problematisch das ist, ist aber schwer einzuschätzen. Die Pelikane z.b. machen sicherlich nicht jederman Freude, wenn sie da zu tausenden die Seen leerräumen, aber es geht ihnen offensichtlich dennoch gut.
Es gibt bislang auch kaum Naturschutzbewegungen. Ion hat mit einem Freund kürzlich einen Verein gegründet um Daten zu sammeln, Aufklärung und Lobbyarbeit zu betreiben. Aber bei gerade mal zwei ernsthaften Vogelbeobachtern und vielleicht nochmal 2-3 gelegentlichen Beobachtern im ganzen Land ist es natürlich nicht ganz einfach, etwas zu erreichen.
florian:
Es gibt bislang auch kaum Naturschutzbewegungen. Ion hat mit einem Freund kürzlich einen Verein gegründet um Daten zu sammeln, Aufklärung und Lobbyarbeit zu betreiben. Aber bei gerade mal zwei ernsthaften Vogelbeobachtern und vielleicht nochmal 2-3 gelegentlichen Beobachtern im ganzen Land ist es natürlich nicht ganz einfach, etwas zu erreichen.
Oh, ja! das ist eine ähnliche Situation wie im nördlichen Teil Cyperns. Da haben auch Einzelpersonen versucht, etwas aufzuziehen und die NABU-Arbeitsgruppe "Migation Unlimited" kontaktiert. Wir waren dann mehrfach vor Ort. So richtig viel sit aber nicht passiert da das Durchhaltevermögen der Leute vor Ort nicht stark genug war. Neuerdings ist die Organisation Kuskor neu organisiert und da sieht es schon besser aus.
Vielleicht kannst Du Ion ja einmal motivieren, auch den NABU um Unterstützung zu bitten. Wenn die Kapazitäten ausreichen ist der NABU immer dankbar für solche Anfragen und prüft zumindest die Machbarkeit einer solchen Unterstützung. Ich fände es spannend!
Interessant! Ähnliches hab ich mir auch schon überlegt... Ich denk ich schau mal wie sich das entwickelt, und wenn sie Interesse haben könnte ich versuchen ihnen beim Kontakte knüpfen mit Nabu oder ähnlichen zu helfen.
Sie haben schon einiges angefangen. Z.B. machen sie seit diesem Jahr beim Europäischen Brutvogelaltas EBBA mit. Bei der erwähnten Beobachterdichte ein sportliches Unternehmen... oder mit einem rumänischen Verein machen sie bei einem Projekt zum Montitoring der Würgfalkenbruten in Moldawien.
Aber wie du sagst, fragt sich wie lange die Energie anhält, solang sich das Ganze auf ein paar wenige Leute konzentriert...
Dank seiner Kenntnisse der Würgfalkennester (derzeit mindestens 4 in Moldawien) konnte mir Ion auch helfen, diesen sagenhaften Vogel zu sehen. Kein gutes Bild, wir wollten nicht zu dicht ran.
Ebenfalls spannend war dass wir eine Beobachtung des Kurzfangsperbers bestätigen konnten. Hier am Rand der Verbreitung und bisher nicht regelmässig beobachtet.
Beides super Lifer für mich!
Ein weiterer schöner Greif, ein Schlangenadler. Auch Adlerbussard, Zwergadler, Seeadler, Wespenbussard und Falkenbussard sowieso können regelmässig beobachten werden.